Ein ausgeprägtes Umweltbewusstsein, nicht zuletzt aufgrund seiner Arbeit für eine Umweltbehörde, und als Ingenieur auch ein generelles Interesse an technischen Entwicklungen: Diese beiden Faktoren haben für Christian Nels und seine Frau den Ausschlag gegeben, sich für ein Auto zu entscheiden, das anders ist als die meisten anderen. Als vor fünf Jahren die Anschaffung eines neuen PKW anstand, stieg er von einem Benziner auf einen mit Erdgas betriebenen VW Touran um. „Wir haben den Wagen als Vorführfahrzeug von einem VW-Händler mit etwa 11.000 Kilometern übernommen und sind seitdem bis heute etwa 120.000 Kilometer damit gefahren“, erzählt Nels. 

Gleich zwei Exoten

Doch damit nicht genug: Als im vergangenen Jahr auch der Zweitwagen des Ehepaars aus Sachsen-Anhalt ausgetauscht werden sollte, kam wieder ein alternativer Antrieb zum Tragen. Dieses Mal entschieden sich die beiden für ein Elektroauto den VW e-up!. Damit hat das Ehepaar Nels gleich zwei Exoten vor der Tür stehen: 92.000 Erdgasfahrzeuge sind hierzulande zugelassen, bei den reinen Elektrofahrzeugen sind es mit rund 54.000 sogar noch ein Drittel weniger. Zum Vergleich: Insgesamt verzeichnet die amtliche Zulassungsstatistik 46,5 Millionen Autos. 

Doch Christian Nels sieht sich eher als Trendsetter denn als Exot. Diskussionen über Diesel-Fahrverbote jedenfalls können ihn kalt lassen. Für Nels ist das Zusammenspiel von einem mit Erdgas betriebenem Erstfahrzeug und einem Elektroauto als Zweitwagen eine optimale Kombination, in der beide Antriebsarten ihre Vorteile ausspielen können: „Das große Erdgasauto nutzen wir für alle Fernreisen, also Fahrten über 50 Kilometern pro Strecke. Das sind in der Regel Besuche bei Freunden und Familie in weiterer Entfernung sowie Ausflüge in umliegende Großstädte wie Berlin oder Leipzig“, so Nels. „Den kleinen e-up! nennen wir unsere Einkaufsschüssel: Er dient für die täglichen Fahrten in die nächste Stadt Zerbst, für Einkäufe, Arztbesuch, Sport und Freizeitaktivitäten.“

Christian Nels sieht sich eher als Trendsetter denn als Exot. Diskussionen über Diesel-Fahrverbote jedenfalls können ihn kalt lassen. Für Nels ist das Zusammenspiel von einem mit Erdgas betriebenem Erstfahrzeug und einem Elektroauto als Zweitwagen eine optimale Kombination, in der beide Antriebsarten ihre Vorteile ausspielen können

Reichweite: 500 Kilometer

Viel mehr ist bei einer Reichweite von maximal 160 Kilometern elektrisch, die bei sportlicherem Fahrstil oder winterlichen Temperaturen auch schon mal auf 80 Kilometer schrumpfen kann, auch kaum möglich. „Bei drei Fahrten innerhalb eines Tages nach Zerbst oder Dessau wird es eng, besonders im Winter“, sagt Nels. „Da mussten wir dann schon mal sicherheitshalber für den abendlichen Theaterbesuch in Dessau zum Erdgasauto greifen.“  

Sein Erdgasauto hat eine Reichweite von gut 500 Kilometern. Das Netz an Erdgas-Tankstellen ist zwar mit deutschlandweit etwa 860 Stück noch ausbaufähig. Doch Probleme hat das Christian Nels noch nicht bereitet: „Anfangs haben wir bei längeren Touren anhand des Internet grob geschaut, wo wir denn tanken müssten“, sagt er. „Aber wir haben in Deutschland immer Tankstellen an oder nahe der Autobahn gefunden.“ Zumal sich die Fahrtrouten über die Jahre ähneln. „Mittlerweile kennen wir die entsprechenden Tankstellen, haben sie im Navi eingegeben und steuern sie dann als Zwischenziele an“, berichtet Nels. Am häufigsten befüllt er sein Erdgasauto in Zerbst, wo der dortige Busbetrieb eine Erdgas-Tankstelle angegliedert hat. „Das ist auch kein Umweg, weil für uns die nächste Benzin-Tankstelle sowieso nur in Zerbst wäre“, so Nels. 

Der e-up! dagegen wird praktisch ausschließlich an der Steckdose im heimischen Carport geladen angesichts der kurzen Strecken, die damit zurückgelegt werden, reicht das aus. Eine echte Alternative zur Haushaltssteckdose hätten sie auch gar nicht: Zerbst verfügt bislang nämlich über keine öffentliche Ladesäule, will aber demnächst welche einrichten. Auch insgesamt lässt die Ladeinfrastruktur noch zu wünschen übrig: 8.700 Ladesäulen gibt es hierzulande, die meisten davon in den Ballungsräumen. Angesichts der niedrigen Reichweite von Elektroautos ist das deutlich zu wenig.  
 

Da ist der Name Programm: Mirai heißt auf japanisch „Zukunft“.

„Der Wechsel auf Elektrofahrzeuge funktioniert nur dann, wenn dem Fahrer keine nennenswerten Nachteile im Vergleich zu seinem aktuellen Fahrzeug entstehen, beispielsweise hinsichtlich Reichweite, Lademöglichkeiten oder Kosten“, erklärt José Avila, Vorstandsmitglied beim Automobilzulieferer Continental und Leiter der Business Unit Hybrid Electric Vehicle. „Die Herausforderungen ‚Intelligente Infrastruktur‘ und ‚Attraktivität der Elektrofahrzeuge‘ sind noch nicht zufriedenstellend im Sinne der Verbraucher gelöst.“ Komfortable und leistungsstarke Ladetechnologien, ein flächendeckender intelligenter Ausbau der Ladeinfrastruktur sowie Fortschritte in der Batterietechnologie würden helfen. 
 

Boris Schmidt ist trotzdem mal mit einem wasserstoffbetriebenen Toyota Mirai gefahren 1.350 Kilometer quer durch Deutschland: Zunächst von Düsseldorf nach Hamburg, von dort weiter nach Berlin und über den in der Nähe von Würzburg gelegenen Autohof Geiselwind, der ebenfalls über eine Wasserstofftankstelle verfügt, weiter nach Frankfurt. Die Tour war beruflich bedingt Schmidt ist nämlich Autoredakteur bei der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ und hat das Wasserstoffauto getestet. Liegen geblieben jedenfalls ist er dabei nicht auch aufgrund vorausschauender Planung. Schneller als mit 110 Stundenkilometern war er selten unterwegs, um nicht zu viel Wasserstoff zu verbrauchen. 
 

Bei der 4,90 Meter langen, futuristischen Limousine Mirai ist der Name Programm: auf Japanisch heißt das nämlich so viel wie „Zukunft“. Und in der Tat könnte diesem Fahrzeug die automobile Zukunft gehören: „Sieht man vom Problem der fehlenden Tankstellen und der müden Fahrdynamik ab, verbindet das Wasserstoffauto scheinbar das Beste aus zwei Welten: ruhiges Gleiten ohne direkte schädliche Emissionen“, resümiert Schmidt. Wasser ist das einzige „Abgas“ des Mirai es gibt dafür einen klassischen Auspuff. „Das Wasserstoffauto fährt wie ein Elektroauto und tankt so schnell wie ein Benziner“, so der Auto-Experte. Allerdings ist es auch so teuer wie beide zusammen: Knapp 80.000 Euro muss man für einen Toyota Mirai auf den Tisch legen auch das dürfte ein Grund dafür sein, dass er kaum verkauft wird.  

Christian Nels und seine Frau jedenfalls würden sich wieder für die bisherige Kombination aus Erdgasauto für längere Strecken und einem Elektrofahrzeug als Zweitwagen entscheiden. „Für uns ist dies in der jetzigen Situation die ideale Kombination.“ Hinsichtlich des kleinen Elektro-Zweitwagens seien die beiden sehr zufrieden, sagt Nels. „Wir streiten uns sogar, wer einkaufen fahren kann. Es macht schon Spaß, mit ihm zu fahren und dabei auch bei Kurzstrecken ein einigermaßen gutes Gewissen zu haben.“ Aber erst wenn sich Reichweiten und Preise von Elektroautos denen von Erdgas betriebenen Fahrzeugen angleichen, wären diese für ihn auch eine Option als Erstwagen. 

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