Den Haag hält an Gas fest und sieht in zwei Technologien die größten Chancen für die Energieversorgung: der Herstellung von Wasserstoff und von Biogas. „Wohin die Reise geht, ist im Moment völlig offen“, sagt Henk Sijbring von der Nederlandse Verwarmingsindustrie, einem Fachverband der Heizungsbranche. Seine Idealvorstellung: „Die Privathaushalte werden mit Biogas versorgt, die Industrie bekommt Wasserstoff, der mithilfe klimaneutraler Verfahren gewonnen wird.“ Doch es gibt auch andere Vorstellungen. Ein Pilotprojekt in Rozenburg nahe Rotterdam will das Potenzial der Wasserstofftechnologie auch für Privathaushalte aufzeigen.

Die notwendige Technik, so die Hypothese, existiert bereits – und wird auch im Alltag funktionieren. Das im Juni 2019 gestartete Projekt ist eine gemeinsame Initiative des Netzbetreibers Stedin, der Gemeinde Rotterdam sowie der Wohnungsbaugesellschaft Ressort Wonen. 25 Haushalte werden statt mit Erdgas mit grünem Wasserstoff versorgt. Dabei ist auch der weltweit erste wasserstoffbetriebene Heizungskessel im Einsatz. Entwickelt hat ihn die niederländische BDR Thermea Group und deren Tochterunternehmen. „Wir wollen zeigen, dass es technisch möglich ist“, sagt Projektleiter Albert van der Molen vom Netzbetreiber Stedin, der den Gebäudekomplex mit Wasserstoff versorgt.

Den liefert der Netzbetreiber übrigens über die bestehende Erdgasleitung. Das niederländische Gasnetz ist für den Transport von Wasserstoff ausgelegt. Schon vor Jahrzehnten wurde dem Gas aus Groningen eine signifikante Menge Wasserstoff beigemischt. Auch Bertrand Schmitt, CEO der BDR Thermea Group, zu der auch die Firma Remeha gehört, ist euphorisch: „Nachhaltig produzierter Wasserstoff ist ein wichtiger, potenziell sehr interessanter Energieträger für die Zukunft.“

Nach dem Pilotprojekt in Rozenburg soll ein weiterer Feldversuch mit der Technologie in Großbritannien durchgeführt werden. In den nächsten zwei Jahren sollen dort über 400 Wasserstoffkessel installiert werden. 

Wie sieht es in den anderen Sektoren aus?


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