Wie schätzen Sie die Zukunft der norwegischen Erdgasunternehmen angesichts der Veränderungen in der deutschen Energiepolitik ein? 

Norwegisches Erdgas ist in Europa im Vergleich zu anderen Energieträgern wie Flüssigerdgas (LNG) extrem wettbewerbsfähig. Dies liegt vor allem an der großen Nähe zum Absatzmarkt und unserer flexiblen und effizienten Gasinfrastruktur. Mit unseren Gasfeldern können wir Deutschland und Europa also langfristig, zuverlässig und kostengünstig versorgen. Vor diesem Hintergrund bin ich optimistisch, was die Zukunft der norwegischen Gasbranche angeht.

Welche Rolle spielt Erdgas bei der Umsetzung der EU-Klimaschutzziele?

Erdgas hat einen geringen Kohlenstoffgehalt. Der Umstieg von Kohle auf Erdgas ist also eine schnelle und effiziente Möglichkeit, die Emissionen zu senken. In mehreren Ländern kann man die Effekte eines Umstiegs von Kohle auf Erdgas bereits beobachten. Erdgas ist eine kostengünstige, verfügbare, flexible und speicherfähige Ergänzung für unbeständigere Energieträger wie Windkraft und Solarenergie. Auf lange Sicht könnte aus Erdgas gewonnener Wasserstoff in Kombination mit der Kohlenstoffabscheidung und -speicherung (CCS) zu einer Reduzierung des Kohlenstoffausstoßes im Energiesektor beitragen.
 

Die Gaspartnerschaft zwischen Norwegen und Deutschland existiert bereits seit über 40 Jahren. Welche Bedeutung besitzt sie? 

Seit Beginn der Gasexporte aus dem Ekofisk-Feld im Jahr 1977 ist Norwegen ein zuverlässiger Erdgasversorger für Europa. Drei Gaspipelines verbinden unsere beiden Länder, etwa 40 Prozent der norwegischen Gasexporte landen in Terminals in Norddeutschland an. Deutschland ist einer der größten Verbraucher von norwegischem Erdgas, dient aber auch als Umschlagplatz für Gastransporte in andere europäische Länder. Erdgas aus Norwegen deckt derzeit 25 Prozent des Erdgasbedarfs der EU.
 

Norwegen ist das einzige Land Europas, in dem Projekte zur CCS vorangetrieben werden. 

Norwegen verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung in der unterirdischen Kohlenstoffspeicherung im norwegischen Kontinentalschelf. Ein umfassendes Monitoringprogramm konnte zeigen, dass das Verfahren sicher ist und wir die Technologie beherrschen. Die norwegische Regierung will eine bezahlbare Lösung für die groß angelegte Kohlenstoffabscheidung und -speicherung in Norwegen umsetzen, sofern das Projekt zu einer Technologie führt, die international eingesetzt werden kann.
 

Bis 2030 soll der CO2-Ausstoß Norwegens noch einmal um zwei Millionen Tonnen gesenkt werden. Wie kann man dieses Ziel erreichen?

Der effizienteste Weg wäre, CO2-Emissionen mit einem Preisschild zu versehen. Dafür eignen sich Handelssysteme wie das ETS oder auch eine CO2-Steuer. Denn damit wird der Markt angeregt, die effizientesten Lösungen zur Emissionssenkung zu finden. Norwegen unterstützt derartige Vorhaben, da die Emissionen damit auf eine für Verbraucher und Industrie kostengünstige Art und Weise.
 

Was halten Sie von Infrastrukturprojekten wie Nord Stream 2? 

Grundsätzlich unterstützt Norwegen die Entwicklung effizienterer Erdgasmärkte mit unterschiedlichen Akteuren auf der Käufer- und Verkäuferseite und einer ausreichenden Infrastruktur. Da Norwegen aber an dem Projekt nicht beteiligt ist, hat die norwegische Regierung keine offizielle Position zu Nord Stream 2.
 



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