Wärmelieferant für die Glasproduktion

Sand, Pottasche, Kalk, Soda und enorme Hitze: Diese Zutaten für die Herstellung von Glas kannten schon die alten Römer. Und auch bei Saint-Gobain in Aachen wird aus diesen Zutaten hochwertiges Bau- und Industrieglas hergestellt - vom Autofenster über spezielles Glas für die Solarindustrie bis hin zur Duschwand. Beim Beheizen der Schmelzöfen kommt dabei Erdgas als Energieträger zum Einsatz. Der Grund: Erdgas ist ein besonders punktgenauer Wärmelieferant, die Temperaturen lassen sich exakt einstellen. Bei Temperaturen um 1.500 Grad Celsius werden die Rohstoffe miteinander vermengt. Das Ergebnis ist eine flüssige Glasmasse, die dann weiterverarbeitet werden kann.

Whisky von der Schwäbischen Alb

Auch in Deutschland wird mittlerweile hochwertiger Whisky gebrannt - unter anderem in der finch Whiskydestillerie auf der Schwäbischen Alb. Jede Woche werden hier 20 bis 30 Fässer mit einem Fassungsvermögen zwischen 225 und 500 Litern abgefüllt. Für die hohe Produktqualität sorgt dabei hochwertiges Getreide aus eigenem Anbau, das geschrotet, mit heißem Wasserdampf gemaischt und anschließend sechs Tage vergoren wird. Und auch Erdgas ist ein wichtiger Teil des Produktionsprozesses. Denn der Energieträger beheizt beim anschließenden Destilliervorgang die Brennblase verlässlich und exakt, mit punktgenauen Brenntemperaturen. Dabei kommt ein modernes Erdgas-Brennwertsystem mit 400 Kilowatt Leistung zum Einsatz.

Komfort rauf, Heizkosten runter

Wenn es darum geht, das eigene Wohnzimmer warm zu bekommen, ist und bleibt Erdgas ein Dauerbrenner: Mehr als die Hälfte aller Haushalte hierzulande werden damit beheizt, selbst im Neubau hat der Energieträger nach den Daten des Statistischen Bundesamtes mit 47 Prozent die Nase vorn. Dafür gibt es gute Gründe: Mit Erdgas betriebene Heizungsanlagen sind einerseits sparsam und andererseits sehr komfortabel. Moderne Brennwertheizungen arbeiten heutzutage mit einem Wirkungsgrad von annähernd 100 Prozent. Außerdem sind Gasheizungen mit Anschaffungskosten zwischen 4.500 und 8.000 Euro recht günstig. Und weil Erdgas direkt über die Gasleitung ins Haus gelangt, muss der Brennstoff im Gegensatz zu Öl-, aber auch Holzpelletheizungen nicht regelmäßig nachgefüllt werden und es wird auch kein Lagerraum benötigt.

Auf den Punkt

Kochprofis wie der Hamburger Starkoch Steffen Henssler schwören darauf: Kochen mit Erdgas hat Vorteile. Nicht umsonst ist der Gasherd heimlicher Hauptdarsteller vieler TV-Koch-Shows. Denn Erdgas lässt sich am Herd sehr schnell und fein regulieren. Punktgenaues Garen bleibt damit nicht dem Zufall überlassen. Das schmeckt dem Koch und seinen Gästen - und der Umwelt gleich mit. Denn moderne Erdgasherde arbeiten dazu äußerst energiesparend. Es gibt kein Vorheizen und kein unkontrolliertes Nachgaren - anders als beim strombetriebenen Herd wird nur genau so viel Energie eingesetzt, wie auch wirklich benötigt wird. Und im Gegensatz etwa zum Induktionsherd braucht man auch kein besonderes Kochgeschirr.

Energiesparende Kühlung

Fleischereien haben einen hohen Kältebedarf: Bis zu einem Drittel des gesamten Energieverbrauchs werden für das Kühlen aufgewendet. In diesem Bereich besteht daher ein besonders großes Einsparpotenzial. Dieses realisiert die Neumarkt-Fleischerei, die in ihren sieben Filialen im Süden Brandenburgs regionale Produkte vertreibt, indem sie auf eine Gaswärmepumpe zur Kühlung setzt - mit integrierter Wärmerückgewinnung. Statt die beim Kühlen anfallende Abwärme ungenutzt entweichen zu lassen, wird diese in einen Pufferspeicher geleitet und steht als Heizwärme oder zur Warmwasserbereitung zur Verfügung. Auf diese Weise entfaltet das Erdgas gleich einen doppelten Nutzen. In der Fleischerei in Jüterbog stammen inzwischen 42 Prozent der für Heizung und Warmwasser benötigten Energie aus der Wärmerückgewinnung. Dadurch sinken nicht nur die Energiekosten - auch die Umwelt wird durch das innovative Verfahren geschont.

Porzellan ohne Risse

Aufwändige Herstellungsprozesse, die auf eine exakte Wärmezufuhr angewiesen sind, sind ohne Erdgas kaum realisierbar. So ist für die Porzellanproduktion bei der Firma Kahla in Thüringen, die seit 1844 hochwertiges Geschirr aus besonders stabilem und langlebigem Hartporzellan herstellt, nicht nur viel Know-how vonnöten - sondern auch jede Menge Erdgas. Zwei Mal gehen Teller, Tassen und Kannen während des Fertigungsprozesses durch die gasbefeuerten Brennöfen. Im Ofen entstehen so verschiedene Brennzonen, in denen unterschiedliche, exakt definierte Temperaturen herrschen. Diese punktgenaue Wärmebereitstellung ist der große Vorteil von Erdgas. Schon kleine Temperaturschwankungen können Porzellanteile, die gerade im Ofen sind, zerstören.

Blumen auch im Winter

Gärtnereien haben einen hohen Energiebedarf, denn die gezüchteten Pflanzen brauchen für optimales Wachstum perfekte Lichtverhältnisse und Wärme in den Treibhäusern. Beim Gärtnereibetrieb Blumen Schwarz im fränkischen Schwabach wird diese Energie auf innovative Art und Weise bereitgestellt: Ein gasbetriebenes Blockheizkraftwerk im Keller produziert einerseits den für die Beleuchtung benötigten Strom - und die Abwärme der Anlage dient andererseits dazu, die Treibhäuser zu beheizen. Durch die Kraft-Wärme-Kopplung wird eine preisgünstige Wärme- und Stromerzeugung auf Basis von Erdgas für den Eigenbedarf möglich, denn die Anlage erreicht einen sehr hohen Wirkungsgrad. So können bunte Blumen auch mitten im Winter wachsen.

Augsburg setzt auf CNG-Busse

Wer in Augsburg in den Bus steigt, tut etwas für die Umwelt: Der Augsburger Nahverkehr hat nämlich die einzige Busflotte einer deutschen Großstadt, die ausschließlich mit CNG unterwegs ist. CNG steht für Compressed Natural Gas und ist stark verdichtetes Erdgas. Der große Vorteil: Bei der Verbrennung entstehen weder gesundheitsgefährdender Feinstaub noch Stickoxide. Heute haben sämtliche großen Bushersteller von MAN über Iveco bis hin zu Solaris Fahrzeuge im Angebot, die mit CNG betrieben werden. 1.700 Erdgasbusse sind bundesweit bereits im Einsatz und bringen die Menschen zur Schule oder ins Büro. In Zeiten von Diesel-Skandal und Innenstadt-Fahrverboten dürften schon bald mehr Städte dem Augsburger Beispiel folgen und ihre Busflotten auf CNG-Betrieb umrüsten.

Doppelte Stahlhärte, schlankeres Auto

Bei der Fahrzeugproduktion übernimmt Erdgas eine wichtige Rolle. Volkswagen etwa nutzt den Energieträger in seinem Kasseler Werk zur Warmumformung von Stahlblechen, die später die Fahrgastzelle des Wagens bilden. Erdgasbetriebene Öfen erhitzen dabei die Bleche, bevor sie in der Presse geformt und gekühlt werden. Roboter greifen die Rohlinge aus einem Gestell und legen sie auf Transportrollen, die in die Ofenkammer hineinführen. Wenn das Material wieder erkaltet ist, ist es doppelt so hart wie vor der Erhitzung. Vor allem durch die hohe Steifigkeit dieses Stahls können bei der Karosserie eines VW Golf rund 23 Kilogramm eingespart werden. Das Ergebnis sind Einsparungen bei Ressourcen und Kosten, aber auch ein geringerer Kraftstoffverbrauch und damit einhergehend niedrigere CO2-Emissionen bei gleichem Schutz für die Insassen.

Bio-Erdgas

Derzeit speisen rund 200 Anlagen in Deutschland Biomethan in das Erdgasnetz ein. Weitere Projekte sind derzeit in Planung und im Bau. Laut Prognosen von Experten reicht die heimische Rohstoffbasis aus, um bis 2030 etwa zehn Prozent des deutschen Erdgasverbrauchs durch Biomethan zu decken.

Speicher

Deutschlandweit werden an 50 Standorten Speicher betrieben. Diese können rund 24 Milliarden Kubikmeter Arbeitsgas speichern, was etwa 30 Prozent des deutschen Jahresverbrauchs entspricht. Damit ist die Bundesrepublik innerhalb der Europäischen Union das Land mit der größten Speicherkapazität.

Gaskraftwerk

Erdgaskraftwerke stoßen im Vergleich zu Braunkohlekraftwerken ganze 70 Prozent weniger CO2 aus. Um die Klimaschutzziele erreichen zu können, müssen neben dem Ausbau erneuerbarer Energien in den kommenden Jahren weitere Gaskraftwerke errichtet werden.

Gasnetz

Etwa jede zweite deutsche Familie nutzt Erdgas, um den eigenen Wärmebedarf zu decken. Damit zukünftig noch mehr Menschen diese Möglichkeit nutzen können, sollen laut Netzentwicklungsplan bis 2026 rund 3,9 Milliarden Euro in den Ausbau des Fernleitungsnetzes investiert werden.

Wussten Sie schon?

Das deutsche Erdgasnetz hat eine Gesamtlänge von rund 500.000 Kilometern und ließe sich damit rein rechnerisch fast 13 Mal um den Erdball wickeln.

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