Als Energiepflanze der Zukunft wird der Durchwachsenen Silphie (Silphium perfoliatum L.) endlich Aufmerksamkeit zuteil. Denn die Pflanze hat großes Potenzial: Sie kann den weitverbreiteten Silomais als Biogassubstrat ersetzen und ist langfristig nicht nur ertragreicher, sondern schont auch noch die Tier- und Pflanzenwelt. Neben dem hohen Ertragspotenzial bietet die Durchwachsene Silphie die ökologischen Vorteile einer Dauerkultur. Die Pflanze hat eine lange Blühdauer und trägt von Juli bis September Blüten im kräftigen Gelb. Die vier Landwirte des baden-württembergischen Projekts Energiepark Hahnennest  haben Lösungen gefunden, die Anbauschwierigkeiten der Silphie zu umgehen und revolutionieren damit das Schicksal des Energierohstoffs. 

Biogasanlagen leisten einen wichtigen Beitrag zur Energiewende. 2017 waren in Deutschland ca. 9.300  Anlagen im Betrieb. Zusammen haben sie so viel Leistung erbracht wie drei bis vier Atomkraftwerke: Ihre 4.000 Megawatt (MW) können rund 8,4 Millionen Haushalte mit Strom versorgen. Bislang wurden die Anlagen hauptsachlich aus landwirtschaftlichen Abfällen und vor allem aus Silomais gespeist – und hier kommt die „Silphie“ ins Spiel. 

Energiepark Hahnennest

Im baden-württembergischen Ostrach (bei Sigmaringen) betreiben vier Landwirte den Energiepark Hahnennest. Die Energiepflanze wird auf 180 Hektar angebaut. Seit 2012 ist hier eine Biogasanlage in Betrieb, die pro Stunde 1.000 Kubikmeter Rohgas aus der Durchwachsenen Silphie produziert, was rund 5.500 KW Energie entspricht . Als bislang zweite Biogasanlage wurde das Projekt 2016 mit dem TSM-Zertifikat (Technisches Sicherheits-Management) des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW) ausgezeichnet. 

Mais durch Silphie ersetzen: Idealvorstellung wird Realität

Mais wird traditionell als Biogassubstrat verwendet, weil er besonders ertragreich ist. Das Problem: Es entstehen flächendeckend Monokulturen, die dem fruchtbaren Boden und der Tierwelt zusetzen.   Nach einem adäquaten umweltschonenden Ersatz mit vergleichbaren Biogaserträgen pro Hektar wurde lange gesucht. 

Die Landwirte aus Hahnennest haben an Lösungen für zwei entscheidende Probleme des Hoffnungsträgers Silphie gefeilt: die ineffiziente Einzelaussaat und die ausbleibende Ernte im ersten Jahr. Anders als üblich wird die Pflanze in Hahnennest nicht einzeln gepflanzt, sondern schneller und erheblich günstiger ausgesät. Das Saatgut produzieren die Landwirte selbst und verkaufen es an interessierte Biogasanlagenbetreiber. Zudem bieten die Landwirte eine bundesweite Beratung an.

Auch für den Ernteausfall im ersten Jahr, der Biogas-Landwirte bislang vom Anbau der Silphie abgehalten hat, wurde eine Lösung gefunden. Im Pflanz- oder Saatjahr bildet die Pflanze nur eine bodenständige Rosette und erbringt keine Ernte. Erst ab dem 2. Standjahr wächst sie in die Höhe, wird über drei Meter hoch und kann über zehn Jahre geerntet werden. Durch den kombinierten Anbau als Untersaat im Mais kann im ersten Anbaujahr der Silphie rund drei Viertel der üblichen Menge an Mais von der Fläche geerntet werden. Die Silphie bleibt auf dem abgeernteten Maisfeld stehen und wird dann ab dem Folgejahr mit vollem Ertrag abgeerntet.
 

15 Jahre Silphie

Eine weitere Hemmschwelle für den Anbau der Silphie sind die anfänglich hohen Investitionen in Saat- oder Pflanzgut. Berechnungen des Instituts für Betriebswirtschaft und Agrarstruktur (IBALfL) auf Grundlage von Versuchsdaten des Technologie- und Förderzentrums (TFZ) zeigten, dass die Kosten pro Kubikmeter Methan nur geringfügig höher sind als bei der Verwendung von Silomais, wenn bestimmte Voraussetzungen gegeben sind. Dazu gehören ein günstiger Standort, ob die Saat Früchte trägt, Flächenkosten von 600 €/ha und eine mindestens 10-jährige Nutzung der Silphie. Bei 15-jähriger Nutzung unter ansonsten gleichen Voraussetzungen wird die Silphie sogar kostengünstiger, da sich die Etablierungskosten über den längeren Nutzungszeitraum verteilen. Ein weiterer Vorteil ist die Vergütung des erzeugten Stromes für alle Biogasanlagen, die nach Gültigkeit des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) 2012 in Betrieb gegangen sind.

Von Jägern und Imkern

Neben Biogasanlagenbetreibern freuen sich besonders Imker über die ursprünglich aus Nordamerika stammende Energiepflanze. Die lange Blühphase – zu einer Zeit, in der sonst nicht viel blüht – und der Verzicht auf Pflanzenschutzmittel macht die Durchwachsene Silphie zur idealen Bienenblume. Aber auch Jäger und Naturschutzverbände begrüßen den Anbau der Pflanze, die vielen Wildtieren als Rückzugsort und Insekten als Lebensraum dient. 

Die Nachfrage aus der Biogasbranche nach dem Saatgut der "Donau-Silphie", wie die im Hahnennest gezüchtete Pflanze genannt wird, ist hoch. Die Betreiber von Hahnennest bieten informative Feldbegehungen an, auf denen sich Besitzer von Biogasanlagen über die innovative Anbaumethode der Silphie informieren können. Es hat sich außerdem das Silphieblütenfest in Ostrach etabliert, um die interessierte Öffentlichkeit von dem Energierohstoff zu begeistern. 
 

Diesen Artikel kommentieren

Diese Themen könnten Sie auch interessieren