Verglichen mit den großen Kohlekraftwerken in der Lausitz oder am Niederrhein ist das Heizkraftwerk in Pforzheim ein kleiner Fisch. Die mit Steinkohle befeuerte Anlage kommt auf eine elektrische Leistung von gerade einmal 20 Megawatt. Doch das genügt, um tiefe Spuren in der Klimabilanz der Stadt zu hinterlassen. Ein guter Grund für den Betreiber, eine Tochtergesellschaft der Stadtwerke Pforzheim, den Stecker zu ziehen – der Kohleblock soll binnen zwei Jahren durch fünf neue, klimaschonende Gasmotoren ersetzt werden. Die Stadtwerke Pforzheim machen schon heute im Kleinen vor, was bis spätestens 2038 im Großen geschehen soll: der Abschied von der Kohle. Ersetzt werden sollen die Kraftwerke nach dem Willen der Kohlekommission vor allem durch Windenergie- und Fotovoltaikanlagen. Mit gutem Grund, denn nur mit einem massiven Ausbau der erneuerbaren Energien werden sich die deutschen Klimaschutzziele für 2030 und 2050 erreichen lassen.

Zugleich macht die Kommission aber auch deutlich, dass Wind- und Solarenergie die Aufgabe allein nicht schultern können – sie brauchen Gaskraftwerke, die im Rahmen des Kohleausstiegs zur zweiten Säule der Stromversorgung werden. Ein großer Schritt für den Klimaschutz: Pro Kilowattstunde erzeugtem Strom emittieren Gaskraftwerke im Durchschnitt nur 382 Gramm Kohlendioxid. Braun- und Steinkohlekraftwerke dagegen setzen 1.148 beziehungsweise 847 Gramm CO2 frei. Dabei könnte das Potenzial von Erdgas bereits heute viel stärker genutzt werden: Die deutschen Gaskraftwerke – die zusammen auf eine Leistung von rund 30 Gigawatt kommen – sind derzeit im Schnitt nur zu 38 Prozent ausgelastet, die CO2-intensiven Braunkohlekraftwerke dagegen zu 81 Prozent. Gaskraftwerke könnten also von heute auf morgen einen nennenswerten Teil der Kohlekraftwerke ersetzen.

Der Wechsel von Kohle zu Gas bedeutet für uns eine enorme CO2-Einsparung. Das Heizkraftwerk Pforzheim leistet damit einen wichtigen Beitrag zu Energiewende und Klimaschutz.

Darüber hinaus garantieren die gasbefeuerten Anlagen, dass die Versorgungssicherheit auf dem gewohnt hohen Niveau bleibt. Denn als klimaschonendes Back-up für die erneuerbaren Energien liefern sie auch dann verlässlich Strom, wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint.  Und nicht zuletzt kann Gas einen zentralen Beitrag zur Integration von Windrädern und Solaranlagen in das Energiesystem leisten: Die bestehende, gut ausgebaute Gasinfrastruktur lässt sich als Langfristspeicher für Ökostrom nutzen – der einzige Speicher, der für diese Aufgabe bislang zur Verfügung steht. Verfahren wie Power-to-Gas machen es möglich, mit Ökostrom grünes Gas zu erzeugen, das in die Gasnetze und -speicher eingespeist werden kann. Allein in Deutschland reicht das Netz mit seiner Gesamtlänge von mehr als 500.000 Kilometern in fast jeden Winkel der Bundesrepublik.

Sichere Versorgung ist gewährleistet

Sichere Versorgung ist gewährleistet Auch viele andere Staaten messen Gas eine Schlüsselrolle beim klimagerechten Umbau ihrer Energiesysteme bei. Bestes Beispiel dafür ist Großbritannien. Die Briten wollen bis 2025 aus der Kohle aussteigen. An ihre Stelle soll, neben erneuerbaren Energien und Atomenergie, Gas treten. Die britische Regierung steuert diese Entwicklung über einen Mindestpreis für den CO2-Ausstoß. Die emissionsarmen, gasbefeuerten Anlagen können damit günstiger produzieren als die emissionsreichen Kohlekraftwerke. Immer wieder kommt die britische Stromversorgung bereits heute phasenweise ganz ohne Kohlekraftwerke aus. Während der Ostertage 2019 war gar 90 Stunden lang nicht eine einzige Kilowattstunde Kohlestrom im Netz – ein Beleg dafür, dass ein CO2-Preis ein wirksames Instrument für den Klimaschutz ist.

Sorgen um Erdgas-Engpässe müssen sich Kraftwerksbetreiber, Haushalte und andere Verbraucher dabei nicht machen. Denn die globalen Reserven sind so groß, dass sie noch viele Jahrzehnte reichen, um den Bedarf zu decken. Der Gasmarkt ist global ausgerichtet; eine Vielzahl von Erzeugerländern und eine gut ausgebaute Transportinfrastruktur stellen sicher, dass eine zuverlässige Versorgung gewährleistet ist. Die europäischen Staaten profitieren dabei von einem starken EU-Binnenmarkt für Gas – die Integration ist hier deutlich weiter vorangeschritten als im Stromsektor, wo der Aufbau eines europäischen Verbunds noch in den Kinderschuhen steckt. Die EU bezieht Gas aus der ganzen Welt, durch Pipelines wie durch LNG-Tanker (Flüssigerdgas). Der Transport per Schiff verschafft den Staaten mehr Optionen beim Bezug des Energieträgers. In der EU gibt es bereits zahlreiche LNG-Terminals, über die Gas eingeführt wird. Auch in Deutschland sollen solche Umschlagstationen entstehen.

So emissionsarm Erdgas auch ist – klimaneutral ist der Brennstoff jedoch nicht. Mit Blick auf die Klimaziele 2050 stellten sich auch die Stadtwerke Pforzheim die Frage, ob es sinnvoll ist ihren Kohleblock durch Gasmotoren zu ersetzen. Dass sie sich dennoch für die Technik entschieden haben, lag nicht zuletzt an der Möglichkeit, dass die Motoren eines Tages auch klimaneutral betrieben werden können - durch den Einsatz von grünem Gas. Dieses kann schon heute durch verschiedenen Technologien und Verfahren produziert werden. Mehr dazu erfahren Sie in Teil 2. 

 


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