Die Regierung hat sich ambitionierte Ziele gesetzt, um die Treibhausgasemissionen zu verringern: Minus 55 Prozent über alle Verbrauchssektoren, minus 40 Prozent im Verkehr gegenüber 1990. Bisher ist der Verkehrssektor noch weit davon entfernt einen Beitrag zu den Zielen zu leisten. Aktuell liegen die Emissionen auf dem Niveau von 1990. Bei den Nutzfahrzeugen im Fernlastverkehr sind die Emissionen sogar um knapp 50 Prozent gestiegen. Dementsprechend dringend ist der Handlungsbedarf in diesem, von einer wachsenden Verkehrsleistung gekennzeichneten Bereich, bereits kurzfristig wirkungsvolle Maßnahmen zu ergreifen. Vor allem die allgemein gute wirtschaftliche Entwicklung und die steigende Nachfrage im e-Commerce führen dazu, dass immer mehr emissionsreiche Lkws auf Deutschlands Straßen unterwegs sind. Doch das muss nicht so bleiben. Eine der vielversprechendsten Lösungen für den Warenverkehr auf der Straße sind LNG-Lastkraftwagen: Kraftstoffseitig sind Erdgas und erneuerbares Methan in Form von Liquefied Natural Gas (LNG) die einzigen verfügbaren und wettbewerbsfähigen Alternativen zum Diesel.

Saubere Logistik ist möglich

LNG ist verflüssigtes Erdgas, das durch Abkühlung auf minus 163 Grad Celsius kondensiert. Das erhöht die Energiedichte um den Faktor 600, sodass LNG-Trucks in Sachen Reichweite und Leistung die Dieselkonkurrenz nicht scheuen müssen. Die strengen Umweltanforderungen der Euro-VI-Abgasnorm können mit LNG spielend eingehalten werden. Im Vergleich zu Diesel werden beim Antrieb mit LNG die Schwefeloxid- und Feinstaub-Emissionen um fast 100 Prozent, die Stickoxid-Emissionen um 80 bis 90 Prozent und der CO2-Ausstoß um bis zu 15 Prozent reduziert. Die Lärmemissionen sind um bis zu 50 Prozent geringer als bei einem Dieselfahrzeug. In ausgewählten Regionen werden sie eingesetzt, vor allem in Metropolregionen. Seit Juni wird jeweils ein Erdgas-Lkw in den Regionalgesellschaften mit Sitz in Butzbach, Ebersberg, Aichtal und Langenfeld unterwegs sein. Aldi setzt die Lkws damit bewusst im Umland der Stickoxid-Hochburgen Frankfurt, im Großraum München, Stuttgart und Düsseldorf ein. „Mit dem Test folgen wir den Richtlinien unserer Klimaschutzpolitik, die vorsieht, dass wir CO2-Emmissionen im eigenen Betrieb konsequent einsparen“, erklärt Andreas Kremer, Leiter Logistikmanagement bei ALDI SÜD. 


Damit kommt ALDI SÜD als Lebensmitteleinzelhändler seiner Verantwortung für Mensch und Umwelt nach, wie es auch in den Corporate-Responsibility-Grundsätzen des Unternehmens definiert ist. Neben einer innovativen Fahrzeugtechnik trägt auch eine ausgefeilte Tourenplanung zur Reduktion der Abgase bei. Jeder Erdgas-LKW beliefert durchschnittlich etwa fünf bis acht Filialen am Tag. Sönke Weichenthal, Business Director bei IVECO: „Wir freuen uns, an der Seite von ALDI SÜD nun auch mit einem Partner aus dem Handel eine klimaschonende Technik zu erproben und damit einen Beitrag zum Schutz unserer Umwelt zu leisten“.
 

1:0 - LNG-Trucks punkten gegen E-Lkw

LNG-Trucks stehen im Vergleich zu elektrisch betriebenen Lkw auch deswegen für umweltschonende Mobilität, weil die Elektrifizierung dieses Fahrzeugsegments noch weit von der Serienreife entfernt ist. So erfüllt das Batterievolumen elektrischer Antriebe noch nicht die erforderliche Reichweite im Fernlastverkehr. Die Oberleitungstechnik ist noch in der Erprobung. Auch Fragen zur Leistungsbereitstellung, gerade zu Spitzenlastzeiten, oder zur Finanzierung der erforderlichen Infrastruktur für 12.900 Autobahnkilometer in Deutschland sind noch völlig offen. LNG hingegen ist technisch ausgereift, verfügbar und bietet sofortigen Umweltschutz. 

Der kurzfristige Handlungsdruck aufgrund der derzeitigen Umweltherausforderungen ist mehr als gegeben. Iveco bietet ein breites Produktportfolio von LNG- und CNG-Fahrzeugen an. Für ALDI Süd transportiert der Stralis NP – von 270 bis 460 PS über drei Motorenbaureihen – Waren von den Lagerstätten zu den Filialen. Mit Reichweiten von bis zu 480 km (Doppel-CNG), ca. 750 km (LNG und CNG gemischt), sowie bis zu 1.600 km mit Doppel-LNG Ausstattung, passen die Zugmaschinen zu jedem Einsatzprofil. Neben den über alle Schadstoffkomponenten niedrigen Emissionen spricht im städtischen und stadtnahen Einsatz ganz besonders auch das um wenigstens 4 dB reduzierte Geräusch für den Stralis NP, denn, so die gängige Prognose, „Lärm ist der nächste Feinstaub“.
 

Umweltschonender Transport braucht gute Netze

Aktuell gibt es rund 30 LNG-Tankstellen in Europa, weitere sind in Planung. Das europäische Infrastrukturprojekt „LNG Blue Corridors“ zielt darauf ab, LNG als Alternative für den Mittel- und Fernverkehr zu etablieren – zunächst als ergänzender Kraftstoff und später als adäquater Ersatz für Diesel. Um ein nachhaltiges Verkehrsnetz für Europa aufzubauen, hat sich das Projekt zum Ziel gesetzt, 14 neue LNG- oder L-CNG-Tankstellen, sowohl permanent als auch mobil, an wichtigen Knotenpunkten entlang von vier Routen zu bauen, die den Atlantik, den Mittelmeerraum und Europa von Süden nach Norden und von Westen nach Osten verbinden. Parallel dazu soll eine Flotte von mehr als 150 mit LNG betriebenen schweren Nutzfahrzeugen Güter auf Europas Straßen transportieren. 

In Deutschland werden für eine erste Grundversorgung ca. sechs Tankstellen an strategisch wichtigen Standorten benötigt, um LNG auch für den internationalen Straßengüterverkehr anzubieten. Das notwendige Tankstellennetz wird sich zunächst am individuellen Kundenbedarf orientieren. Im Juni 2016 eröffneten der Nutzfahrzeughersteller Iveco und der LNG-Versorger LIQVIS Deutschlands erste LNG-Tankstelle in Ulm. Die Bundeshauptstadt erhielt im April 2017 ihre erste Tankstelle. Die Eröffnung der ersten LNG-Tankstelle Österreichs im September 2017 nahe Linz war ein weiterer Schritt in Richtung eines europaweiten Netzes.

Besonders erfolgreich ist LNG auf dem niederländischen Markt. Weil viele LNG-Lkw mit dem gelben Kennzeichen auch immer tiefer in das deutsche Straßennetz vorstoßen, wird es 2018 voraussichtlich insbesondere im Nordwesten Deutschlands weitere Tankstelleneröffnungen zu feiern geben. Der Ausbau muss schnell und konsequent vorangehen, denn Ländergrenzen kennt weder der Onlinehandel noch der Klimaschutz.

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