Wie Gaskraftwerke stärker zur dekarbonisierten Stromerzeugung beitragen können, zeigt ein Blick über den Ärmelkanal. Dort hat die britische Regierung mit dem konsequenten Bepreisen von Kohlendioxid ein wirksames Steuerungsinstrument geschaffen, das es dem Land ermöglicht hat, sein Klimaziel (minus 40 Prozent CO2-Emissionen im Vergleich zu 1990) bereits im Jahr 2018 zu erreichen. Wie konnte das gelingen? Der politische Hebel ist der Carbon Price Floor (CPF), eine landesspezifische CO2-Abgabe, die aktuell 30 Pfund pro Tonne Kohlendioxid beträgt.

"Der CPF hat den Switch von Kohle zu Gas entscheidend befeuert, der durch den Zertifikatehandel so wohl nicht gekommen wäre", analysiert Sebastian Just, Commercial Director der Aurora Energy Research. Mit anderen Worten: Der Handel mit Verschmutzungszertifikaten (ETS) alleine hätte CO2 nicht teuer genug gemacht. Der zusätzliche Kostenfaktor CPF hingegen hat einen rasanten Wandel bewirkt. "Die Briten haben auf die regulative Kraft des Marktes vertraut, statt den Umstieg per 'Order di Mufti' zu dekretieren", sagt Just.

Ein Erfolg versprechendes Modell. Denn: Auf einen CO2-Preis ab 30 Pfund reagiert der Markt sehr agil. Kohle zu verstromen ist nicht mehr rentabel. Jetzt erzeugen moderne Gaskraftwerke emissionsarm Strom und Power-to-Gas-Anlagen emissionsfreien Wasserstoff. "Entscheidend war der politische Wille", resümiert Just. Und der resultierte aus einer über Jahrzehnte gewachsenen ökologischen Haltung. 

Die Politik auf der Insel hatte sich bereits in den 1990er-Jahren für einen konsequenten Weg entschieden. In kaum einem anderen Land der EU wurde das Pariser Klimaabkommen so ernst genommen. "Ob sich eine 'Wasserstoff-Ökonomie' entwickelt, hängt stark davon ab, wie ernst wir als Gesellschaft das Ziel der Nullemission nehmen wollen", sagt Sebastian Just.

Wie sieht es in den anderen Sektoren aus?


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