Die Wohnungswirtschaft hat beim Klimaschutz in den vergangenen Jahren enorm viel erreicht. Bereits mehr als zwei Drittel ihrer Bestände hat sie seit 1990 energetisch modernisiert. Bei der Einsparung von CO2 hat keine andere Branche so viel erreicht wie der Gebäudesektor. Und trotz ihrer Vorreiterrolle beim Klimaschutz werden Vermieter und Mieter durch kontinuierlich verschärfte Auflagen mit immer höhere Kosten belastet. Im Zuge des Klimaschutzplans 2050 wurden dem Gebäudebereich im vergangenen Jahr zusätzliche 8 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Einsparung aufgebrummt. Dabei hat die Wohnungswirtschaft im Gegensatz zu anderen Sektoren bereits die Klimaschutz-Mindestziele für 2020 auf sozialverträgliche Art und Weise erreicht.

Die zusätzlichen Energie-Anforderungen aus dem Klimaschutzplan zwingen die Immobilienwirtschaft dazu, die gesamte notwendige CO2-Einsparung durch aufwändige Effizienzmaßnahmen in den gas- und ölversorgten Wohnungsbeständen zu erreichen. Denn alle Einsparungen in Fernwärme- und Strom-beheizten Wohnungen werden im Energiesektor bilanziert. Die Maßnahmen zur Dekarbonisierung des Gebäudesektors sowie der Umstieg auf alternative Wärmekonzepte, erneuerbare Energien, Biogas und Ausweichtechnologien führen dazu, dass der Anteil von Erdgasbeheizung hier mittel- und langfristig sinken wird.
 

Auch beim Neubau von Einzelgebäuden stellt die Gasbrennwerttechnik heute noch eine kostengünstige und robuste Wärmeversorgung dar.

Axel Gedaschko, Präsident des GdW

Der Druck sowohl auf die Wohnungs- als auch auf die Erdgas-Branche erhöht sich mit den verschärften Klimazielen enorm und sorgt in puncto Gasheizungen für eine ungewisse Zukunft. Dennoch: Bei der Versorgung von Quartieren durch Nahwärme mit Kraft-Wärme-Kopplung setzt die Wohnungswirtschaft weiterhin auf die sichere und im Vergleich zu anderen Technologien günstige Versorgung ihrer Bestände mit Erdgas. Und auch beim Neubau von Einzelgebäuden stellt die Gasbrennwerttechnik heute noch eine kostengünstige und robuste Wärmeversorgung dar.

Bei der Bezahlbarkeit der notwendigen Maßnahmen und deren sozialen Auswirkungen bringt der Klimaschutzplan 2050 die Wohnungswirtschaft endgültig an ihre Grenzen. Die neue Bundesregierung wird sich auch daran messen lassen müssen, welche Lösungen sie für eine sozial verträgliche und wirtschaftliche Umsetzung der Klimaschutzziele findet. Statt immer schärferer Anforderungen braucht es endlich praktikable Rahmenbedingungen für dezentrale Energieversorgung und Mieterstrom. Die Wohnungs- und Immobilienwirtschaft muss die Ziele eines klimaneutralen Gebäudebestands auf bezahlbare Art und Weise erreichen können. Alles andere ist unwirtschaftlich und unsozial.

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