Am Montag den dritten April hat Deutschland sein CO2-Limit erreicht. An diesem Tag hat Deutschland so viel CO2 ausgestoßen, wie es eigentlich im gesamten Jahr ausstoßen dürfte. Dass dieser Tag so früh im Jahr liegt: Kein gutes Zeichen. Denn alle Autos stehen lassen, die Luft anhalten und die deutsche Industrie stoppen – das alles ist nicht wirklich machbar. Das Datum macht deutlich: Wir müssen mehr tun fürs Klima. Und damit fangen wir am besten heute an.

Der Klimawandel wartet nicht. Nicht auf 2050. Nicht auf 2030. Ehrgeizige Ziele für die Zukunft sind gut, aber ehrliche Erfolge im hier und jetzt zählen eben auch. Und da haben wir ein Problem: Wir treten auf der Stelle. Die CO2-Bilanz Deutschlands konnte sich in den vergangenen Jahren kaum noch verbessern. Und das trotz einer Energiewende, die beispiellos ist. Trotz 25 Milliarden jährlich allein für den Ausbau der erneuerbaren Stromerzeugung, finanziert von den deutschen Stromkunden. Der Wechsel zu Erdgas könnte an vielen Stellen schnelle Erfolge bringen: In der Stromerzeugung, im Heizungskeller und auch im Verkehr. Denn effiziente Erdgastechnologien emittieren je nach Anwendungsfall bis zu 50 Prozent weniger CO2 als die bislang eingesetzten Energieträger und Technologien.

Die Mathematik des CO2-Limits

Die ganze Klimadebatte kreist um Zahlen: Zielwerte, CO2-Budgets, Jahreszahlen, Einsparungen, Äquivalenzwerte. Das wird schnell kompliziert. Die Berechnung des CO2-Tags ist da sogar noch vergleichsweise einfach und nachvollziehbar. Denn hier geht es nicht um politische Ziele, sondern um Naturwissenschaft: Wie viel CO2 darf in die Atmosphäre gelangen, ohne dass die Erderwärmung 2°C übersteigt? Die Wissenschaft hat das berechnet. Dabei ist wichtig: CO2, das wir heute in die Atmosphäre entlassen, ist morgen auch noch da. CO2 ist hartnäckig. Wir fangen also nicht Jahr für Jahr neu an, sondern das ausgestoßene CO2 türmt sich in der Atmosphäre, wie Müll auf einer Deponie. Und die ist irgendwann voll.

Die Wissenschaftler wissen, wie groß diese CO2-Deponie ist. Und das kann man dann runterrechnen. In CO2 pro Person. Oder pro Land. Für Deutschland hat das der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung gemacht: Von 2010 bis 2050 dürfen wir demnach 9 Mrd. Tonnen CO2 ausstoßen. Das entspricht durchschnittlich 220 Mio Tonnen pro Jahr. Damit müssen wir ein Jahr lang auskommen. Tun wir aber nicht. Für 2017 müssen wir mit 860 Mio Tonnen rechnen, wie die Nymoen Strategieberatung auf Basis von Zahlen der Bundesregierung berechnet hat. Schon Anfang April haben wir die 220 Mio. Tonnen erreicht. Ab jetzt sind wir jenseits des Limits.


Was müssen wir ändern?

Dass wir in einem Quartal so viel CO2 in die Atmosphäre blasen, wie wir uns für ein ganzes Jahr vorgenommen haben, macht das Ausmaß der Aufgabe deutlich. Es macht deutlich: Da liegt noch einiges vor uns. Es sollte nicht entmutigen, aber aufrütteln. Und vor allem deutlich machen: Wenn wir nicht jetzt schnell Erfolge erzielen, dann brauchen wir über 2050 nicht zu reden. Dann haben wir schon vorher ein Problem. Dann werden wir schon vorher die Werte reißen die es uns ermöglich, die Klimaerwärmung unter 2°C zu begrenzen.

Es muss also darum gehen, schnell und effizient CO2 einzusparen. Nicht auf dem Papier, sondern in echt. Das geht mit Erdgas. Nicht nur, aber auch, oft in Kombination mit erneuerbaren Energien. Dabei hat Erdgas drei entscheidende Argumente auf seiner Seite: Es ist emissionsarm im Vergleich zu allen fossilen Energien. Es kann mit erneuerbaren Energien gut kombiniert werden und sogar selbst in wachsendem Maße regenerativ erzeugt werden. Und: Es ist vergleichsweise günstig, so dass es in der Masse große Effekte erzielen kann.

Hochmoderne Gaskraftwerke, mit verflüssigtem Erdgas betriebene Trucks oder auch moderne Erdgasheizungen – das alles ist heute verfügbar. Das alles bringt echte Effekte fürs Klima. Wir müssen aufhören nur Visionen zu zeichnen. Wir müssen das machbare tun. Und wir müssen dafür das große Potenzial von Erdgas und erneuerbarem Gas nutzen. Dann können wir mit unserem CO2-Budget besser auskommen. Damit das Datum Jahr für Jahr in möglichst großen Schritten weiter nach hinten im Kalender rückt. Und wir möglichst bald mit unserem Budget ein ganzes Jahr lang auskommen.

Kommentare

Michael Oppermann   11.04.2017

Hier haben wir eine Übersicht über die Twitter-Reaktionen auf das CO2-Limit erstellt.

Dominik Dörrie   11.04.2017

Ich bin gespannt, was das CNG Symposium zur Erdgasmobilität heute bringt!

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