Dass er einmal die Stilllegung der Kraftwerke seiner ehemaligen Mitglieder abwickelt, hätte der ehemalige VKU-Vizepräsident Andreas Feicht vor einem Jahr vermutlich nicht gedacht. Nun liegt aber die Agenda für Deutschlands Kohleausstieg auf dem Tisch – und damit eine verantwortungsvolle Aufgabe vor dem neuen Energie-Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium. Am Ende des teils steinigen Diskussionsprozesses hat sich die Kohlekommission auf einen Ausstiegsfahrplan geeinigt, der Kraftwerksbetreibern Planungs- und Investitionssicherheit bietet. Damit wurde ein weiterer Meilenstein der Energiewende gelegt.

Gas spielt eine zentrale Rolle im Kompromiss der Kohlekommission, seine Funktion als Backup und Speichersystem wurde gestärkt. Mithilfe emissionsarmer Gaskraftwerke soll demnach zukünftig die Versorgungssicherheit gewährleistet werden. Nach der Pflicht muss jetzt die Kür folgen. Es gilt, die empfohlenen Maßnahmen in konkrete Gesetze zu übersetzen, denn nur so wird aus vagen Wünschen wirksamer Klimaschutz. Insbesondere die geplante Verlängerung der KWK-Förderung und die anvisierten zusätzlichen Investitionsanreize zur Erweiterung des Gaskraftwerksparks sind dabei sinnvolle Lösungsansätze, die schnell konkretisiert und umgesetzt werden sollten.

Die Zeit drängt, denn in der Vergangenheit wurde großes Klimaschutzpotenzial verschenkt. Zwar stellen Gaskraftwerke bundesweit mehr als 30 Gigawatt Leistung bereit. Bis heute werden diese Kapazitäten aber nur zu etwas mehr als einem Drittel genutzt. Und das, obwohl wir unsere CO2-Emissionen dank Gas schon heute massiv senken könnten - gegenüber Braunkohle um bis zu 70 Prozent. Grund dafür sind falsche Prioritäten. Statt Klimaschutz steht bislang eine möglichst günstige Stromproduktion an erster Stelle. Emissionsintensive Energieträger erhalten so weiter den Vorzug. Die bittere Konsequenz: Viele Betreiber prüfen aktuell die Stilllegung ihrer strom- und wärmeerzeugenden Gaskraftwerke. Dabei brauchen wir sie heute mehr denn je! Denn insbesondere angesichts des bevorstehenden Ausstiegs aus der Kohle- und Atomenergie muss eine umfassende Energieversorgung gewährleistet bleiben. 

Dass wir uns dabei nicht nur auf die volatilen Erneuerbaren verlassen dürfen, zeigt auch die dena-Leitstudie. Als flexibles und zuverlässiges Backup und Speichersystem wird vor allem grünes Gas 2050 die einzige Absicherung der Stromproduktion aus Wind und Sonne sein. Aber schon ab 2030 wird dessen Einsatz unverzichtbar, um das Klimaziel 2050 auch einzuhalten. Auch die Kohlekommission hat nun gewürdigt, dass innovative Technologien wie Power-to-Gas, welche die Strom- und Gasinfrastrukturen koppeln, ein wichtiger Baustein der Energiewende sind. Jetzt müssen diesen Worten Taten folgen: Mit einem konkreten Ausbauziel für grünes Gas, damit die Investitionen in die notwendige Technologie auch zeitnah getätigt werden. 

Eines ist schon heute klar: Wir müssen die bestehenden, hocheffizienten Gaskraftwerke unbedingt erhalten. Besonders in einem qualifizierten Kapazitätsmarkt könnten sich diese gegenüber emissionsintensiveren Kraftwerken behaupten. Denn hier dürften nur Erzeugungskapazitäten teilnehmen, die eine bestimmte CO2-Bilanz aufweisen. Somit käme nicht mehr die günstigste Energieerzeugung zum Zug, sondern die klimaschonendste. Und die CO2-Einsparung würde zur Leitgröße!

 So sichern wir nicht nur die Energieversorgung. Wir bringen uns mit emissionsarmem Gas auch langfristig auf Kurs in Richtung Klimaziel 2030.

Dieser Beitrag erschien zuerst in "Kraftwerke Invest".

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