Erstes Beispiel: BHKW-Anlage Freiburg Landwasser

In Freiburg - Landwasser betreibt die badenova WÄRME PLUS GmbH & Co. KG seit 1990 eine BHKW-Anlage, deren erzeugte Wärme über ein 15 km langes Nahwärmenetz den Freiburger Stadtteil Landwasser versorgt. Als Brennstoff für die Gasmotoren kam bis 2006 überwiegend Deponiegas der Mülldeponie Eichelbuck zum Einsatz. Aufgrund der in den letzten Jahren gesunkenen Deponiegasmenge sanierte der Betreiber die Anlage im Jahr 2011 und installierte zwei neue BHKW-Module, die seither mit einer Mischung aus Bio-, Deponie- und Bioerdgas betrieben werden. Das Deponiegas wird also mit Biogas aus der Bioabfall-Vergärungs-Anlage (Remondis BKF GmbH) veredelt. Die dadurch erfolgte Erhöhung des Brennwertes im Blockheizkraftwerk Landwasser reicht aus, um Strom für mehr als 4900 Haushalte und Heizenergie für 1200 Familien zu liefern.

 

Als zusätzliches Modul entsteht nun ein innovatives Holzvergaser-BHKW. Anstatt der bisher für Holzvergaser üblichen Holzhackschnitzel, verwendet die Anlage Pellets. Diese sind in Brenneigenschaften und Größe genormt und sorgen so für eine gleichmäßigere Vergasung und weniger Wartungsbedarf.

DAS PROJEKT IN ZAHLEN

  • Dank des Holzvergasers werden ca. 40% des Wärmebedarfs des Stadtteils Landwasser aus erneuerbaren Energien gedeckt.
  • Der Anteil an regenerativ erzeugter Wärme wurde somit um 15% erhöht.
  • Insgesamt macht die durch die Holzvergaseranlage erzeugte Wärmemenge 6% des gesamten Wärmebedarfs aus.
  • Die thermische Leistung beträgt 220-250 kW.
  • Die elektrische Leistung beträgt 180-190 kW.
     

Zweites Beispiel: Vergärte Molke in einer BHKW nutzen

In einer Käserei entstehen große Mengen an Molke. Sie eignet sich nur bedingt als Lebens- und Futtermittel, weshalb die Molkereien sie oft teuer entsorgen müssen. Aber: Energetisch betrachtet ist Molke wertvolle Biomasse.


Der Biobetrieb Käserei Monte Ziego in Teningen ist auf dem Weg, die erste Nullenergiekäserei Deutschlands zu werden. Eine Molkerei im Nullenergiestandard zu errichten ist besonders ehrgeizig: Konventionelle Käsereien benötigen viel Energie, weil sie Milch und Endprodukte sowohl kühlen müssen als auch Wärme benötigen, um Käse herzustellen.
 

In Teningen entstand so erstmals in Deutschland eine Biogasanlage, in der fast ausschließlich Molke zum Einsatz kommt. Ein Blockheizkraftwerk verbrennt das Biogas und erzeugt Strom und Wärme. Wenn die Ziegen im Winter weniger Milch geben, können die Betreiber das BHKW mit Biogas befeuern. Kälte gewinnt eine klimafreundliche Absorptionskältemaschine. In der Biogasanlage erreicht man 96% Abbau der organischen Substanz.


Die neue Käserei verfügt damit über eine Produktionskette, die gerade Kunden von Biolebensmitteln entgegenkommt, die sich besonders stark an nachhaltigen Kriterien orientieren. 
 

DAS PROJEKT IN ZAHLEN

  • Die Käserei hat zum Ziel, zu 100 % mit nachhaltig auf dem Betriebsgelände erzeugter Energie – aus dem Molkegas und einer Photovoltaikanlage zu arbeiten.
  • 12 Demeter-Höfe liefern mit über 1.200 Ziegen mehr als 800.000 Liter Ziegenmilch.
  • Im ersten Jahr verwertete die Biogasanlage ca. 365 m3 Molke und produzierte ca. 9.100 m3 Methan. Das entspricht einer Leistung von 90.800 kWh.
  • Pro Jahr werden rund 14,6 Tonnen CO2 gegenüber der Energieversorgung aus konventionellen Quellen eingespart.

Drittes Beispiel: UNIKLINIKUM Freiburg (HKW) – energieautark

Von 30.000 Tonnen Steinkohle im Jahr zu 45.000 Tonnen CO2-Einsparung jährlich – diesen Klimaerfolg hat das Uniklinikum Freiburg mit der Umstellung seines Heizkraftwerks auf Erdgas und Holzpellets im Jahr 2011 geschafft. Für Freiburg war diese Einzelmaßnahme ein sehr großer Schritt zur „Green City“, konnte der gesamte CO2-Ausstoß der Stadt doch auf einen Schlag um 5 Prozent verringert werden.
 

Die Holzpellets – eine Spezialanfertigung für den umgerüsteten Steinkohlekessel – kommen per Zug aus dem nahegelegenen Pelletwerk in Kehl. Das Heizkraftwerk verfügt über einen direkten Gleisanschluss. Jährlich werden rund 7.000 Tonnen der klimafreundlichen Holzpresslinge für das Klinikum verheizt. Das entspricht 10 Prozent des Energiebedarfs, die anderen 90 Prozent werden durch Erdgas abgedeckt.
Nachhaltigkeit gehört zum Leitbild des Universitätsklinikums, das seinen Gesamtbedarf von 165.000 kWh an Strom und Wärme möglichst klimafreundlich erzeugen möchte. In diesem Zusammenhang wurde auch erstmalig Abwärme aus Abluft gewonnen, die nun ein Nieder-temperaturfernwärmenetz sowie neuartige Kältemaschinen speist. Mit der Leistung des Heizkraftwerks könnten 25.000 Haushalte mit Wärme, 35.000 Haushalte mit Strom und 45.000 Kühlschränke mit Kälte versorgt werden. 
 

DAS PROJEKT IN ZAHLEN

  • Das Heizkraftwerk der Uniklinik Freiburg gehört zu den größten seiner Art an deutschen Kliniken und macht den rund 600.000 m² großen Komplex energieautark.
  • Zu 90 % wird Erdgas eingesetzt, zu 10 % für die Spitzenlast Holzpellets.
  • Kesseldaten:

              Zwei Festbrennstoffhochdruckkessel (früher Steinkohle, jetzt Pellets): rund 65 MW

              Zwei Gas-/Öl-Kombihochdruckkessel: rund 110 MW

              Ein Gas-/Öl-Kombiniederdruckkessel: rund 15 MW
 

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