Klärschlamm und abgelaufenes Bier, die wöchentlich in einen Faulturm geleitet werden – mehr braucht es momentan nicht, um die Energiewende in Down Under in Schwung zu bringen. Denn die Mischung aus Schlamm und Gerstensaft wird dort unter Ausschluss von Sauerstoff erhitzt, sodass die Bestandteile durch natürliche, bakterielle Stoffwechselprozesse aufgespalten werden. Die wertvolle Ausbeute: Biogas. 

Für die Beteiligten ist diese Verwertung des Biers ein doppelter Gewinn. Zum einen müssen die Getränkereste nicht aufwendig entsorgt werden. Zum anderen trägt die Vergärung dazu bei, eine nachhaltige Wertschöpfungskette aufzubauen. Mit seinem hohen Brennwert und Methan-Potenzial eignet sich das kühle Blonde ideal für die Verwertung zu Biogas.

 

Aus wöchentlich 150.000 Litern abgelaufenem Bier wurden im Mai 355.200 Kubikmeter und im Juni etwa weitere 320.000 Kubikmeter Biogas erzeugt. In einem einzigen Monat kamen so etwa 654 MWh Strom zusammen. Rund 1.500 Haushalte könnten rechnerisch mit der Energie aus dem grünen Gas versorgt werden. 

Doch in erster Linie profitiert die Kläranlage selbst, denn der wertvolle Rohstoff wird direkt vor Ort in den Gasmotoren der Anlage genutzt, um Strom zu erzeugen. Schon bevor die Anlage auf den Geschmack von Bier gekommen ist, stellte die Vergärung in den Fermentern auf diese Weise etwa 80 Prozent des Energiebedarfs der Anlage sicher. Nun läuft sie autonom und die Betreiber hoffen, diesen Zustand auch über das Ende der Pandemie hinaus bewahren zu können. 

Gestillt werden kann der Energiedurst in Glenelg auf jeden Fall auch weiterhin: Allein die australische Lion-Brauerei blieb durch den Lockdown und den dadurch geminderten Absatz auf rund 4,5 Millionen Litern Bier sitzen. Na dann - Prost!
 

Kommentare

Lydia Adthsintsi   14.08.2020

Sehr interessanter Beitrag! Aber schade um das Bier :(

Diesen Artikel kommentieren

Diese Themen könnten Sie auch interessieren