Seit 1985 schon schippert die Fähre 1.200 Passagiere und bis zu 70 PKWs auf dem UNESCO Weltnaturerbe Wattenmeer zwischen Emden und Borkum hin- und her. Im Juni 2015 wurde das Schiff auf den Antrieb mit LNG (Liquified Natural Gas) umgebaut. Ganze Neun Monate lang dauerte die Umrüstung auf der Brenn- und Verformtechnik Bremen GmbH in Bremerhaven. "Nachhaltiges Wirtschaften heißt aber auch, dass man gute Substanzen nicht einfach wegwirft", so Dr. Bernhard Brons, Vorstand der AG EMS. Die Reederei habe sich daher gegen einen Neubau und für einen Umbau entschieden. "Maßgeblich für uns war, weg vom Mineralöl zu kommen und für die nächsten Jahrzehnte einen sauberen und zuverlässigen Energieträger einzuführen", erklärt Brons. Betankt wird die "MS Ostfriesland" mit LNG von Nauticor (ehem. Bomin Linde LNG) aus den Niederlanden. Die MS "Ostfriesland" ist die erste LNG-Fähre (neben zwei weiteren Schiffen) die mit dem RAL-Umweltzeichen für "Umweltfreundliches Schiffsdesign" ausgezeichnet wurde. 

220 Badewannen für den LNG-Tank

Der vakuumisolierte LNG-Tank hat ein Fassungsvermögen von 45 m³, das entspricht immerhin fast 220 Badewannen! Die Wärtsilä- und Mitsubishi-Motoren schaffen die Strecke schneller als der konventionelle Diesel-Antrieb: Insgesamt ist die Fähre 10 Prozent schneller. Je nach Strömung beträgt die Fahrzeit etwa 2 Stunden. Dabei gleitet das Schiff kaum hörbar auf dem Wasser dahin, denn LNG verbrennt nahezu geräuschlos. Ein weiterer Vorteil: Im Vergleich zu dieselbetriebenen Motoren produzieren LNG Antriebe weniger CO2- Emissionen. Der klimaschonende und kohlenstoffarme Kraftstoff stellt daher angesichts immer strengerer Umweltauflagen eine saubere Alternative zum Marinediesel dar. 

Lieferkette: Von A bis Z mit LNG

Seit dem 1. Juli 2018 hat die AG "EMS" für ihre LNG-Fähre mit dem Troisdorfer Unternehmen GasCom, einem Spezialisten für mobile Erdgaslösungen, einen neuen LNG-Lieferanten. Die Borkumfähre wird ab jetzt wöchentlich mit einem LNG-betriebenen Tanklastwagen betankt. Die Truck-Trailer-Kombination zur Gefahrgutbeförderung hat GasCom als erste Spedition europaweit mit einem LNG-betriebenen Spezialfahrzeug (IVECO 460 PS) realisiert. So kann die gesamte Lieferkette mit flüssigem ERDGAS abgebildet werden: Das aus Katar stammende LNG wird per Schiff nach Zeebrügge transportiert, gelangt über den Straßentransport zur Bunkerung nach Emden und liefert schließlich den Kraftstoff für die Fährverbindung durch das Wattenmeer nach Borkum. "Wir haben einen Bedarf produziert, der in den deutschen Häfen bis dahin nicht abgefragt wurde", erklärt AG "EMS"-Inspektor Claus Hirsch. In den angrenzenden Häfen gibt es bisher keine Infrastruktur mit LNG, der Transport erforderte daher bis dato stets alternative Lösungen. "Wir freuen uns über dieser Erweiterung unserer umweltfreundlicheren Transportkette", sagt Hirsch im Hinblick auf das neue Fahrzeug der Spedition GasCom.

LNG als maritime Lösung

LNG als Kraftstoff trägt zur Senkung der Treibhausgas- und der Luftschadstoffemissionen bei, denn das verflüssigte ERDGAS (LNG) verursacht im Vergleich zu herkömmlichen Schiffskraftstoffen fast keine Schwefeloxid-Emissionen (SOX); Stickoxid-Emissionen (NOX) werden um bis zu 90 Prozent und Partikel-Emissionen um rund 98 Prozent reduziert. Der Schiffs-TÜV und Prüfkonzern DNV GL schätzt, dass bis 2020 rund 1.000 Schiffe mit LNG unterwegs sein könnten. Im August 2017 hat das Bundesverkehrsministerium angekündigt, die Aus- und Umrüstung von Schiffen auf verflüssigtes ERDGAS zu fördern. Sowohl private Reedereien als auch öffentliche Körperschaften können sich um die Fördermittel bemühen. Um den Einsatz von LNG in der deutschen Schifffahrt voranzutreiben investiert der Bund 30 Millionen Euro. Auch das europaweite Projekt "Motorways of the Sea" zeigt: Der maritime Verkehr mit LNG als Alternative zum Schwerlasttransport an Land ist zukunftsträchtig. Außerdem hat die Internationale Schifffahrtsorganisation (IMO) kürzlich neue Grenzwerte für Schadstoffemissionen von Schiffen festgelegt, die ab 2020 gelten. 

Kreuzfahrtbranche erkennt Potenziale

Vor allem die Kreuzfahrtbranche, die für ihren besonders hohen Stromverbrauch bekannt ist, bereitet sich mit ersten Pilotprojekten auf die LNG-Versorgung ihrer Schiffe vor. Seit 2016 wird beispielsweise die "AIDAprima" am Hamburger Kreuzfahrtterminal Steinwerder von Tanklastwagen aus mit flüssigem Erdgas für die Bordstromerzeugung versorgt. Große Pläne gibt es bereits: Mit ihrem Konzept "Green Cruising" wird AIDA ihre AIDAnova als erstes Kreuzfahrtschiff weltweit mit 100 Prozent LNG-Antrieb in See stechen lassen. Im Dezember 2018 begibt sich das 337 Meter lange Schiff der besonderen Art nach eineinhalb Jahren Bauzeit auf seine Jungfernfahrt.

 

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