Herr Glock, wie steht es um die Wärmewende in Deutschland? Kann der Gebäudesektor das Klimaziel 2030 erreichen?

Auf der ISH Energy 2019 präsentiert die deutsche Heizungsindustrie technische Lösungen, mit denen die ambitionierten Zielsetzungen der Bundesregierung im Gebäudebereich erreicht werden können. Konkret sollen im Gebäudebereich die CO2 Emissionen von heute 119 Mio. Tonnen auf 72 Mio. Tonnen in 2030 reduziert werden. Dabei setzen wir nicht nur auf die anlagentechnische Erneuerung des zu zwei Drittel veralteten Heizungsanlagenbestandes, sondern auch auf Maßnahmen an der Gebäudehülle. In beiden Bereichen stagniert der Modernisierungsmarkt allerdings seit Jahren, so dass bei diesem Schneckentempo die Klimaziele in weite Ferne rücken.

Wie beurteilen Sie die Rolle von Erdgas-Heiztechnologien für die Wärmewende?

Annähernd 60 Prozent der 13,3 Mio. Erdgasheizungen sind technologisch nicht Stand der Technik. Für die Erreichung der Klimaschutzziele ist es unerlässlich, diese veralteten Gaskessel gegen Brennwert, Brennstoffzellen oder Hybridsysteme - bestehend aus einer Wärmepumpe und einem Brennwertgerät - auszutauschen. Bei Erdgasheiztechnologien besteht damit kein Innovations-, sondern ein Umsetzungsproblem.

Was muss die Politik Ihrer Meinung nach jetzt für mehr Klimaschutz in deutschen Heizungskellern tun?

Die Politik sollte endlich das umsetzen, was sie vom Grundsatz her längst beschlossen hatte: Nämlich die bereits im Koalitionsvertrag genannten steuerlichen Anreize für energetische Sanierungen umsetzen. Dass die dringend erforderliche Politik der Anreize nach wie vor an kameralistischen Scheinargumenten scheitert, trifft  auf Unverständnis. Die Energiepolitik sollte ferner bei allen Förderinstrumenten den Grundsatz der Technologieoffenheit  konsequent beibehalten und auf den jetzt aktuell geplanten Ausschluss einzelner Effizienztechnologien - wie der Gasbrennwerttechnik - aus der Förderung verzichten.

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