Herr Kaehne, die EU möchte auch für Lastwagen und Busse CO2-Grenzwerte festlegen. Die durchschnittlichen CO2-Emissionen von schweren Nutzfahrzeugen sollen so bis 2030 um mindestens 30 Prozent gesenkt werden. Was bedeutet diese Entscheidung für IVECO?

Bereits das Zwischenziel – minus 15% bis 2025 – ist ambitioniert. Wir arbeiten an verschiedenen Maßnahmen und werden diese Grenzwerte natürlich mit Diesel-Nutzfahrzeugen darstellen können. Allerdings erreichen wir dieses Zwischenziel bereits jetzt mit Erdgas, dies bestätigen uns viele der Unternehmen, die insgesamt mehr als 20.000 Erdgasfahrzeuge von uns fahren. Und somit stellt Methan schon jetzt einen zunehmend wichtigen Beitrag zur Umsetzung der CO2 Emissionen dar. Wir sind seit 20 Jahren mit dieser Technologie unterwegs, haben sie schrittweise immer wieder verfeinert und weitreichende Erfahrung im Einsatz gesammelt.

Nicht nur in der Stadt, sondern auch im Fernverkehr werden große Mengen an Stickoxiden ausgestoßen. Mit ERDGAS lassen sich diese Emissionen um bis zu 95 Prozent reduzieren. Welches Einsatzspektrum an ERDGAS-Fahrzeugen bietet IVECO?

Angefangen haben wir mit einem Transporter der Daily-Baureihe, und dann die Anwendungen schrittweise weiterentwickelt. Heute verfügen wir nicht nur über ein komplettes Programm an Straßenfahrzeugen von 3.5 bis 44 Tonnen, sondern neuerdings auch über schwere Baufahrzeuge. Denken Sie an einen Betonmischer: die fahren immer dort, wo gebaut wird, und gebaut wird zunehmend ebendort, in der Stadt. Es gibt also nahezu keine Branche oder Anwendung, wo man nicht ein sauberes und leises Erdgasfahrzeug von IVECO einsetzen kann. Und das ohne jegliche Komfort- oder Handlingsnachteile. 

Was muss noch getan werden, um ERDGAS als alternativen Kraftstoff auf dem Markt zu etablieren?

Bei einem LKW ist alles etwas größer oder schwerer als beim PKW und viele Tankstellen sind von der Zugänglichkeit optimierungsfähig. Oftmals sind auch die Kompressoren für die abgetankten Mengen zu klein. Aber bei CNG haben wir in Deutschland mit den genannten Einschränkungen bereits heute eine funktionsfähige Infrastruktur. Wo wir zumindest in Deutschland noch gravierende Lücken haben, ist die Versorgung mit der tiefkalten Erdgasvariante, dem LNG. Im Langstreckenverkehr ist LNG ein Muss, um Kraftstoff für 1.600 km darstellen zu können. Woran wir hierzulande noch arbeiten müssen, sind Bekanntheitsgrad und Image von Erdgas.

Die Methangas-Technologie ist in nahezu allen Bereichen und insbesondere in der Bezahlbarkeit der E-Mobilität weit überlegen. Leider spricht man in der Politik fast nur von Elektrofahrzeugen, wenn es um Antriebsalternativen geht. Hier liegt noch viel Potenzial.
 

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