Frau Rostek, Biomethan-Anlagen und die Power-to-Gas-Technologie hat man bislang noch nicht miteinander in Verbindung gebracht. Tatsächlich schlummern hier jedoch beachtliche Synergieeffekte. Was steckt dahinter?

Es wird in der Tat höchste Zeit, dass Biomethan, Power-to-Gas und andere klimafreundliche Gase zusammen gedacht werden. Wenn die Dekarbonisierung und sukzessive Defossilisierung des Gasnetzes Realität werden sollen, brauchen wir alle grünen Gase gleichermaßen. Mit Biomethan tragen wir bereits heute spürbar zu diesem Prozess bei, aber es ist offenkundig, dass wir alle vorhandenen Potenziale heben müssen. 

Ein wichtiger Baustein ist die Einbettung von Power-to-Gas in Biogas-Standorte. Für die Methanisierungsstufe etwa, in der aus Wasserstoff und CO2 synthetisches Methan gewonnen wird, sind Biogasanlagen als CO2-Quelle prädestiniert. Diese liefern auch die passende Infrastruktur gleich mit und sind daher durchaus wettbewerbsfähig gegenüber industriellen CO2-Quellen. Außerdem lässt sich die Einspeisekapazität von Biomethananlagen verdoppeln, indem man das bei der Aufbereitung des Rohbiogases auf Erdgasqualität anfallende CO2 in einem Elektrolyseur zu zusätzlichem SNG veredelt.

Wie bewerten Sie das Potenzial des Verfahrens in Deutschland?

In Deutschland gibt es knapp 9.000 Biogasanlagen. Bis Anfang der 2030er Jahre wird  nahezu der gesamte Anlagenpark das Ende des ersten EEG-Vergütungszeitraums erreichen. Mit einer Umrüstung auf Gaseinspeisung könnten so große zusätzliche Mengen an erneuerbarem Gas gewonnen werden. Allerdings ist die Gaseinspeisung erst ab einer bestimmten Kapazität wirtschaftlich sinnvoll. Durch die Kombination mit einem Elektrolyseur lassen sich auch kleinere Anlagenkategorien für das Gasnetz erschließen. Der DVGW hat ausgerechnet, dass sich allein aus dem Bestand heraus ein Potenzial von ca. 167 Terawattstunden grünem Gas realisieren ließe.

Sind bereits Pilotprojekte geplant, die der Technologie langfristig zur Marktreife verhelfen könnten?

Ja, es gibt bereits Pilotprojekte, die die unterschiedlichen Kombinationsmöglichkeiten erfolgreich erproben. Der Flaschenhals ist nicht die technische Entwicklung, sondern die politische. Sie verläuft viel zu schleppend. Unlängst nehmen wir zwar positive Akzente wahr, wie etwa den Dialogprozess „Gas 2030“ des BMWi, aber insgesamt fehlt es noch an politischen Rahmenbedingungen. Ein klares Ziel wäre der erste Schritt. Darüber hinaus sollten bei Markteinführungsprogrammen eben gerade auch die Synergieeffekte von Biomethan und Power-to-Gas berücksichtigt werden. Gerade bei Biogas und Biomethan fehlt der Branche leider absolut die Perspektive. Hier muss rasch stabilisierend agiert werden, um zu verhindern, dass Anlagen stillgelegt werden, die man eigentlich gerade fit für das Gasnetz machen möchte. 

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