Welche Rolle hat Power-to-Gas bzw. welche Rolle kann Power-to-Gas in Zukunft für eine erfolgreiche Energiewende spielen?

Power-to-Gas ist aktuell die einzig bekannte Technologie, die erneuerbare Energien aus Wind und Sonne in ein speicherbares Gas umwandeln kann. Sie spielt eine entscheidende Rolle für das Gelingen der Energiewende, wenn der Anteil der erneuerbaren Energien am Erzeugungsmix weiter voranschreitet: Mit Blick auf die Größenordnung der zu speichernden Energiemengen, wie sie z.B. bei einer 2-wöchigen Dunkelflaute in Deutschland dann benötigt werden, stoßen Batterien und Pumpspeicher schnell an ihre Grenzen. Hier kann Power-to-Gas perspektivisch zu einer sicheren Stromversorgung beitragen, indem das leistungsfähige Erdgasnetz und die vorhandenen Erdgasspeicher für den grünen Überschussstrom genutzt werden. Mit Power-to-Gas erzeugtes Grünes Gas kann bereits heute in die bestehende Erdgasinfrastruktur eingespeist und in dieser gespeichert werden. Darüber hinaus kann Power-to-Gas bereits heute erneuerbare Energien in die Sektoren Wärme, Mobilität und Industrie integrieren und dazu beitragen, dass erneuerbare Energien genutzt statt abgeschaltet werden – beispielsweise mit Wasserstoff in Raffinerieprozessen oder als alternative Kraftstoffe. Das ermöglicht es uns, in diesen Sektoren schnelle CO2-Einsparungen zu erreichen.  

Ihre Power-to-Gas-Anlage in Falkenhagen erweitern Sie in Kürze um den Schritt der Methanisierung. Was hat Sie dazu bewegt?

Nachdem wir in der ersten Demonstrationsphase gezeigt haben, dass Power-to-Gas grundsätzlich funktioniert und dass die Technologie am Markt verfügbar und einsetzbar ist, gilt es nun, den Nutzen dieses Grünen Gases zu verbessern. Die Methanisierung versetzt uns in die Lage, das Grüne Gas unbegrenzt in die Gasinfrastruktur einzufügen. Zudem haben wir über die Initiative Store&Go die Chance, die Nutzbarkeit auch im europäischen Kontext aufzuzeigen. Aktuell bestehen in den technischen Regelwerken der europäischen Mitgliedsstaaten unterschiedliche Begrenzungen für eine reine H2-Einspeisung. Als Partner des europäischen Verbund-Projektes STORE&GO wollen wir die Möglichkeiten der Methanisierungs-Technologie aufzeigen und so sicherstellen, dass wir ganzheitlich über ein künftiges Energiesystem sprechen können: Bestehend aus Strom- und Gassystem, in der volkswirtschaftlich optimalen Ausgestaltung.  

Wo liegen Ihrer Meinung nach die größten Hemmnisse? Was müsste passieren, dass die Technologie ihre Potenziale vollends entfalten kann?

Aktuell liegen die größten Hemmnisse in der nicht optimalen Einordnung der Power-to-Gas-Technologie in die Energiegesetzgebung. So sind die Power-to-Gas-Anlagen, wie alle anderen Speicher- und Wandlungstechnologien auch, nach wie vor als Letztverbraucher von Strom eingestuft. Das bedeutet: der Nutzen für das Energiesystem wird nicht anerkannt und die Technologie ist mit unsachgemäßen Umlagen belastet. Auch fehlt in den meisten Zielsektoren die Anrechenbarkeit der grünen Komponente des erneuerbaren Gases, d.h. die Vermeidung von Treibhausgasen hat aktuell keinen Wert verglichen mit fossilen Energieträgern. Wenn der Rahmen in diesen Bereichen angepasst wird und es zu einem technologieoffenen Wettstreit um die beste Lösung kommt, können zusätzliche Potentiale bei der Weiterentwicklung der Power-to-Gas-Technologie und bei der Verbesserung der Kostenbasis automatisch gehoben werden.

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