Herr Prof. Linke, ein Fünftel der deutschen CO2-Emissionen wird durch den Verkehrssektor verursacht. Die Erreichung der Klimaziele rückt somit in weite Ferne. Welches Potential bietet Gas als Kraftstoff für den Klimaschutz?

Gas ist ein zentraler Baustein der Verkehrswende. Die Vorteile liegen klar auf der Hand: Gas-Fahrzeuge emittieren im Vergleich zum Diesel bis zu 97 Prozent weniger Feinstaub und bis zu 85 Prozent weniger Stickoxid. Zudem wird der CO2-Ausstoß um fast 25 Prozent reduziert. Durch die Beimischung von Biomethan und synthetischen Gasen können die CO2-Emissionen weiter verringert werden. Zudem sind Gas-Antriebe im Gegensatz zur Elektromobilität technisch hoch entwickelt und seit vielen Jahren erfolgreich im Markt etabliert. Elektrische Technologien sind Teil der Lösung, aber sie werden nie der alleinige Weg sein können.

In welchem Anwendungsbereich sehen Sie die größten Chancen für Gas als Kraftstoff?

Ich sehe im öffentlichen Personennahverkehr und im Schwerlastverkehr großes Potenzial, das wir sehr schnell heben können. Aktuelle Untersuchungen zeigen: Ein mit Biomethan betriebener Bus hat deutliche Umweltvorteile im Vergleich zum Diesel. Elektrobusse schneiden hier sogar noch schlechter ab. Denn ein Drittel des deutschen Stroms stammt noch aus Kohlekraftwerken und die Batterieproduktion ist CO2-intensiv. Auch im Schwerlastverkehr können wir schnell und kosteneffizient zum Klimaschutz beitragen, indem wir die 2,7 Millionen Diesel-Lkw auf deutschen Straßen durch Gasantriebe (LNG und CNG) ersetzen. Unsere europäischen Nachbarn wie die Niederlande und Schweden machen es uns vor, wie es geht.

Welche Rahmenbedingungen müssen jetzt seitens der Politik geschaffen werden, um Gasantriebe langfristig auf dem Markt zu etablieren?

Mit der Verlängerung der reduzierten Steuerbelastung auf Erdgas als Kraftstoff haben wir einen ersten Etappenerfolg erzielt. Weitere politische Schritte müssen jetzt folgen, damit der Markt Planungssicherheit bekommt:  eine CO2-abhängige Maut – oder auch eine direkte Förderung alternativer Mobilitätstechnologien bzw. Sonderabschreibungen bei Lkw. Zudem sollten gasförmige Kraftstoffe uneingeschränkt am System der Biokraftstoffquote teilnehmen können.

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