Herr Brackmann, welche Rolle spielt verflüssigtes Erdgas (LNG) für die maritime Energiewende?

LNG spielt für die maritime Energiewende eine entscheidende Rolle. Die Internationale Schifffahrtsorganisation (IMO) hat im April ehrgeizige Ziele zur Reduzierung von CO2-Emissionen beschlossen. Bis 2030 soll der Ausstoß um 40 Prozent und bis 2050 um 50 Prozent im Vergleich zum Jahr 2008 verringert werden. Wie wichtig diese Ziele sind, zeigt der gerade veröffentlichte World Energy Outlook 2018. In seinem aktualisierten energiewirtschaftlichen Szenario kommt er zu einem ernüchternden Befund: Die weltweit energiebedingten CO2-Emissionen sind wieder gestiegen nachdem sie drei Jahre lang stabil waren. 
Wie wichtig aber die Reduktion der Emissionen ist, stellt der „Sonderbericht des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) über 1,5°C globale Erwärmung“, der Anfang Oktober in Südkorea vorgestellt wurde, dar. Er beschreibt z.B. anschaulich, dass die Risiken für die marine Biodiversität, die Fischerei und die Ökosysteme sowie deren Funktionen und Dienstleistungen für den Menschen durch eine Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 °C nachweislich minimiert würden. 


Um diese klimapolitischen Ziele zu erreichen, müssen Wirtschaft und Politik an einem Strang ziehen:  LNG als alternativer Kraftstoff wird die maritime Energiewende einen entscheidenden Schritt nach Vorne bringen. In einem ersten Schritt wird LNG zu einer deutlichen Reduktion von Stick- und Schwefeloxiden sowie Feinstaubpartikeln führen. Die Reduktion beim CO2-Ausstoß wird wohl zunächst nur 20 bis 25 Prozent betragen. Aber auch das ist ein Schritt in die richtige Richtung. 


Für mich ist LNG ganz klar der Treibstoff der nächsten 20 oder vielleicht sogar 30 Jahre. Mit diesem klaren Bekenntnis zu LNG will ich vor allem erreichen, dass die maritime Wirtschaft die notwendige Investitionssicherheit erhält. Dass die Wirtschaft grundsätzlich zu Investitionen bereit ist, zeigen Beispiele wie die „Wes Amelie“, das weltweit erste Containerschiff mit reinem LNG-Antrieb und eben auch die „AIDANova“, das erste LNG-betriebene Kreuzfahrtschiff, das in Kürze auf Jungfernfahrt gehen wird. Aber nur unter verlässlichen Rahmenbedingungen wird die Wirtschaft dazu bereit sein, flächendeckend in diesen neuen Kraftstoff zu investieren.   
 

Wie stehen Sie zum geplanten Bau eines deutschen LNG-Terminals?

Ich begrüße die privatwirtschaftlich vorangetriebenen LNG-Infrastrukturprojekte in Deutschland. Wenn wir LNG als maritimen Treibstoff etablieren wollen, müssen wir auch die Voraussetzungen dafür schaffen, dass Schiffe diesen Treibstoff bunkern können. Es gibt ja bereits eine LNG-Tankstelle im Hamburger Hafen für die Behördenschiffe und auch in Rostock soll 2022 eine kleine bis mittlere Anlage fertig gestellt werden. Das ist schon mal ein Anfang!


Was die Terminals angeht, so sind derzeit verschiedene Standorte verschiedener Größe im Gespräch - Brunsbüttel, Stade, Wilhelmshaven und eben Rostock. Grundsätzlich stehen allen Projekten zur Finanzierung verschiedene Unterstützungsangebote und Programme der öffentlichen Hand gleichermaßen offen, soweit diese die jeweiligen Antragsvoraussetzungen erfüllen. 
Das BMWi kann LNG-Infrastrukturprojekte im Rahmen der Bund-Länder-Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW) fördern. Eine Förderung kann allerdings nur erfolgen, wenn die Förderbedingungen gemäß GRW-Koordinierungsrahmen erfüllt sind. Das Bundesministerium für Verkehr und Infrastruktur stellt zudem Mittel im Rahmen seiner Mobilitäts- und Kraftstoffstrategie bereit. Im Rahmen der Haushaltsbe-ratungen für 2019 ist die Finanzplanung für 2021 und 2022 um insgesamt 16 Mio. Euro für den Bau eines LNG small-scale-Terminals aufgestockt worden. 
 

Welche Weichenstellungen sind von Seiten der Politik geplant, um den Einsatz von LNG in der Schifffahrt voranzutreiben?

Die Bundesregierung will die Nachfrage nach LNG-Schiffsantrieben fördern. Deshalb haben wir bereits vor gut einem Jahr die „Richtlinie über Zuwendungen für die Aus- und Umrüstung von Seeschiffen zur Nutzung von LNG als Schiffskraftstoff“ erarbeitet. Auf den ersten Förderaufruf im Dezember letzten Jahres ging eine erhebliche Anzahl von Förderanträgen ein. Das zeigt deutlich das Interesse der Wirtschaft und bestätigt meinen Kurs. Ein weiterer Förderaufruf ist für 2019 geplant. Bis dahin sollen die Erfahrungen aus dem ersten Förderaufruf ausgewertet sein.


LNG spielt aber auch bei der umweltschonenden landseitigen Stromversorgung von Schiffen im Hafen eine entscheidende Rolle.
Dort wo eine Landstromversorgung nicht ohne weiteres möglich ist, können LNG-Power-Pacs und LNG-Power-Barges eine sinnvolle Alternative sein, um umweltschonend produzierten Strom bereitzustellen. Die Bundesregierung erarbeitet hierzu gerade ein Konzept zur Förderung von umweltfreundlichem Bordstrom und mobiler Landstromversorgung für See- und Binnenschiffe. Auch hier haben wir die vorgesehenen Mittel im Haushalt 2019 noch einmal um 1 Mio. Euro aufgestockt, so dass 2019 für diesen Zweck 5 Mio. Euro zur Verfügung stehen. 


In der Maritimen Forschungsstrategie 2025 haben wir außerdem unter dem Querschnittsthema MARITIM.green umweltschonende Technologien adressiert, die der langfristigen Realisierung von grünem Transport und grüner Produktion dienen. Stichworte sind Null Emission in Luft und Wasser genauso wie Verhinderung von Umweltschäden jeglicher Art, Klimaneutralität, Energie- und Ressourcenschonung sowie Recyclingfähigkeit.
 

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