Herr Woltran, mit welchen Herausforderungen sieht sich die OMV als international tätiges Unternehmen am Energiemarkt von morgen konfrontiert?

Wir richten unseren Blick in die Zukunft entlang des „New Policies“-Szenario der Internationalen Energieagentur (IEA) aus. Unsere Strategie 2025 ist somit die Antwort auf einen weltweit steigenden Energiebedarf bis 2030, wobei Erdgas der am stärksten wachsende fossile Primärenergieträger sein wird. Auch wenn Erdöl über 2030 den Primärenergiemix dominiert, werden eine Dekarbonisierungspolitik sowie strengere Emissionsstandards langfristig zu einer Abflachung der Nachfrage nach Ölprodukten führen. Die OMV ist überzeugt, dass Europas Gasbedarf vor allem durch den sukzessiven Ersatz der Kohleverstromung durch hocheffiziente Gaskraftwerke steigen wird. Zugleich wird die europäische Eigenproduktion abnehmen, wie man zuletzt auch in den Niederlanden gesehen hat. Laut IEA wird die Nachfrage nach Erdgas in Europa bis 2030 um mehr als 20 % zunehmen.

Welche Rolle spielt Gas in der neuen OMV Strategie?

Gas (Erdgas, erneuerbares Gas, Wasserstoff) ist für uns ein unverzichtbarer Teil einer klimafreundlichen Energielandschaft in Europa – heute wie morgen. Die neue Strategie der OMV sieht somit vor, dass Erdgas eine noch wichtigere Rolle im Produktmix der OMV erhalten wird. Ein Anteil von mehr als 50% im Produktions-Portfolio und herausfordernde Ziele bei der Vermarktung von Gas in den europäischen Märkten sind klare Signale an unsere Shareholder. Unser Engagement in den Bereichen CNG- und Wasserstoff-Mobilität sowie die Ergebnisse unseres Forschungsprojektes wind2hydrogen zahlen heute schon in die Gaswelt der Zukunft ein. Weiterhin und vermehrt auf Gas zu setzen, ist gut für die Menschheit, die Wirtschaft und unsere Umwelt.

Welchen Beitrag kann erneuerbares Gas im Zusammenspiel mit der Erdgasinfrastruktur für die Versorgungssicherheit leisten?

Versorgungsicherheit ist ohne die bestehende Gasinfrastruktur nicht denkbar. Diese lässt sich sehr klar anhand der Speicherkapazitäten darstellen: Während in Strombereich maximal von Stunden gesprochen wird, sind im Gasbereich Monate seit Jahrzehnten die Norm. Die Entwicklung von erneuerbarem Gas steht zwar noch am Anfang, in Kombination mit der bestehenden Infrastruktur zeigt es einen klaren Pfad in eine klimafreundliche Energiezukunft.

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