Herr Theurer, gehört für Sie Erdgas zu den Energieträgern der Zukunft, die sich marktwirtschaftlich behaupten und eine sichere Energieversorgung gewährleisten werden?

Wenn die Bundesregierung zeitgleich aus der Stromerzeugung aus Kernkraft und Kohle aussteigen möchte, führt an Erdgas zumindest mittelfristig kein Weg vorbei. Dazu kommt: Im ETS müssen Energieversorger für jede Tonne CO2, die sie ausstoßen, ein Zertifikat vorweisen. Bei steigendem Zertifikatepreis werden Gaskraftwerke aufgrund der geringeren Emissionen trotz höherer Brennstoffkosten zunehmend wettbewerbsfähiger. Gaskraftwerke sind außerdem unerlässlich für eine sichere Strom- und Wärmeversorgung. Der Erhalt der Versorgungssicherheit muss absolute Priorität für den Industriestandort Deutschland haben.

Was muss passieren, damit das Bewusstsein für technologieoffene Methoden beim Klimaschutz - und gegen eine verkrustete Verzichts- und Verbotsgesellschaft - gestärkt wird?

Ich glaube, dass ein solches Bewusstsein bei einem Großteil der Bevölkerung bereits vorhanden ist. Manche fordern, den Verbrennungsmotor in zehn Jahren zu verbieten und Flugreisen zu limitieren. Ich glaube aber, dass wir auf diesem Wege weder die internationalen Klimaziele erreichen, noch Vorbild für andere Länder werden können. Vorschriften führen zu Ablehnung. Wir Freie Demokraten setzen daher darauf, den CO2-Ausstoß sektorenübergreifend zu begrenzen und somit die externen Kosten einzupreisen. Im Zusammenspiel von Innovationen und Verbraucherverhalten ergibt sich somit der künftige Technologiemix.

Welchen Stellenwert geben Sie dem Ausbau der Power-to-X-Technologie und neuer Gasinfrastruktur-Projekte in einem zusammenwachsenden europäischen Energiebinnenmarkt?

Wir Freien Demokraten fordern eine europäische Gasstrategie. Power-to-X wird dabei aus unserer Sicht eine wichtige Rolle spielen. Hierfür braucht es die richtigen rechtlichen Rahmenbedingungen: Wer darf Power-to-X-Anlagen errichten und betreiben und wann kommen sie zum Einsatz? Wie werden solche Anlagen mit Umlagen, Abgaben und Entgelten belegt? Zur Strategie gehört auch eine Diversifizierung der Importquellen: Neben Pipelines wird LNG eine wichtige Rolle spielen. So können wir perspektivisch auch grüne Gase importieren. Wichtig ist, dass wir das Ganze europäisch abstimmen.



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