Herr Schäfer, wo sehen Sie den größten Handlungsbedarf in der Klimapolitik?

Kurz gesagt: erneuerbare Energien ausbauen, fossile Energien runterfahren. Um unseren Beitrag zum Pariser Klimaabkommen leisten zu können, müssen wir jetzt den Abschied vom Verbrennungsmotor einleiten, für Neubauten Null-Emissionsstandards verbindlich machen und endlich den CO2-Ausstoß im Energiesektor drastisch reduzieren. Viele scheinen das 2020-Klimaziel schon aufgegeben zu haben. Die Bundeskanzlerin hat aber noch vor einem halben Jahr versprochen, Wege zu finden, das 40-Prozent-Reduktionsziel bis 2020 zu erreichen und in Sondierungsgesprächen einer Abschaltung von zusätzlich 7 Gigawatt Braunkohle zum Jahr 2020 zugestimmt. Die SPD-Parteitagsdelegierten wurden vor ihrer Entscheidung über die große Koalition von ihrem damaligen Parteichef darüber informiert, es sei "Fake News", dass diese Koalition das Klimaziel 2020 aufgeben würde. Beides nehmen wir ernst, auch wenn bisher nicht erkennbar ist, wie die Bundesregierung dieses Versprechen einlösen will. 

Welche Schritte muss die neue Bundesregierung jetzt gehen, um die nationalen Klimaschutzziele noch zu erreichen?

Ein CO2-Preis von 25 Euro in Deutschland, Frankreich und weiteren europäischen Nachbarländern kann schnell erhebliche Mengen an Treibhausgasemissionen einsparen. Gepaart mit Stilllegungen von 7 Gigawatt Braunkohlekraftwerken könnte Deutschland so die bestehende Lücke für das 40-Prozent-Ziel fast vollständig schließen. Das ist ein Ergebnis unserer Studie "Dem Ziel verpflichtet. CO2-Mindestpreise im Instrumentenmix einer Kohle-Ausstiegsstrategie für Deutschland". Andere Sektoren müssten dann noch 10 bis 15 Millionen Tonnen CO2 einsparen, um das Klimaziel 2020 zu erreichen. Das ist alles zu schaffen – allerdings nur, wenn CDU und SPD die Zusagen ihrer Kanzlerkandidaten auch umsetzen wollen. 

Warum halten Sie einen CO2-Mindestpreis für ein geeignetes Klimaschutz-Instrument?

Wir brauchen ein zusätzliches Instrument nicht allein auf nationaler, sondern auf europäischer Ebene, weil das bisherige Werkzeug dort nicht wirkt: Der Emissionshandel wird kurz- und mittelfristig keinen Effekt haben. Über ihn bleibt der CO2-Preis bis Mitte der 2020er zu niedrig, um einen Anreiz zur CO2-Minderung zu bieten. Eine CO2-Verlagerung im Zusammenspiel von Emissionshandel und einem Mindestpreis ist seit der Reform des ETS auszuschließen, da nun über die Marktstabilitätsreserve überschüssige Zertifikate gelöscht werden, beziehungsweise einzelne EU-Mitgliedsstaaten Zertifikate auch national löschen können. Unsere Studie zeigt, dass ohne solche Maßnahmen bis 2020 in Deutschland Gaskraftwerke in einem Umfang von 5 Gigawatt vom Netz gehen würden. 

Zur Studie: Dem Ziel verpflichtet – CO2-Mindestpreise im Instrumentenmix einer Kohle-Ausstiegsstrategie für Deutschland

Zukunft ERDGAS zur CO2-Bepreisung

Zukunft ERDGAS begrüßt den Diskussionsbeitrag, den der WWF mit der Studie "Dem Ziel verpflichtet. CO2-Mindestpreise im Instrumentenmix einer Kohle-Ausstiegstrategie für Deutschland" geleistet hat. 

Auch aus Sicht von Zukunft ERDGAS eignet sich das Instrument der CO2-Bepreisung besonders gut, um die CO2-Emissionen schnell und wirksam zu senken. Bevor ein solches Bepreisungssystem eingeführt werden kann, müssen jedoch die notwendigen regulatorischen Maßnahmen getroffen werden, um einen technologieoffenen Wettbewerb aller Energieträger zu ermöglichen. Denn so lange strombasierte Technologien im Verkehr und im Wärmemarkt bevorzugt werden, wird ein CO2-Mindestpreis nicht die erhofften Ergebnisse liefern. Erdgas bietet für den Wärmemarkt, die Stromversorgung und den Verkehr Lösungen, die wirksamen Klimaschutz liefern – und das schnell und kosteneffizient.  

Hier finden Sie weiterführende Informationen zu Erdgaslösungen für den Strommarkt, den Verkehrssektor und den Wärmemarkt.

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Kommentare

Andie   11.04.2018

CO2 sollte die Leitwährung der Energiewende sein und nicht das Elektro-Diktat.

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