Herr Werner, was sind die Raustauschwochen und wer ist daran beteiligt?

Bei den "Raustauschwochen" handelt es sich um eine Modernisierungsaktion, die Zukunft ERDGAS gemeinsam mit dem Landesverband der Energie- und Wasserwirtschaft Hessen und Rheinland-Pfalz im Jahr 2017 aufgesetzt hat. Im Rahmen der "Raustauschwochen" erhalten Modernisierer, die sich für den Austausch ihres veralteten Heizgeräts gegen moderne Erdgastechnologien entscheiden, einen Bonus in Höhe von 200 Euro. Dieser wird von der Heizgeräteindustrie gestellt und über die beteiligten Stadtwerke ausgezahlt. Zudem kann er durch Boni der Stadtwerke individuell aufgestockt werden. Neben der Heizgeräteindustrie und den Energieversorgern sind aber auch das Fachhandwerk und die Schornsteinfeger von Anfang an mit eingebunden. Denn es war uns ein wichtiges Anliegen, alle Partner im Wärmemarkt in die Aktion zu integrieren.

Was hat Sie 2017 dazu bewogen, die Raustauschwochen ins Leben zu rufen und was hat sich seitdem verändert?

Konkret geht es uns darum, Modernisierungsanreize im Wärmemarkt zu setzen und den Markt zu sensibilisieren. Während die Strukturwandelkommission das Thema Strommarkt auf den Tisch gebracht hat und die Emissionen des Verkehrs fast täglich Teil der Berichterstattung sind, wird der Wärmemarkt vernachlässigt. Dabei müssen wir Klimaschutz ganzheitlich denken und alle Sektoren einbinden. 12,5 Millionen Heizungen in Deutschland entsprechen nicht dem Stand der Technik – und die Modernisierungsquote liegt unter 3 Prozent, sodass der Bestand weiter veraltern wird. Wenn wir die Klimaziele 2030 erreichen wollen, muss die Modernisierungsquote von Heizungen auf 7 Prozent gesteigert werden. Und genau deshalb sind wir gemeinsam aktiv geworden. Umso mehr freut es mich, dass wir die Zahl der Unterstützer in den vergangenen Jahren noch einmal deutlich steigern konnten.

Welche Bilanz ziehen die Teilnehmer nach den vergangenen zwei Aktionsrunden?

Bereits im Jahr 2017 konnten wir eine positive Bilanz ziehen: Mehr als 4.000 Anlagen wurden damals in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland ausgetauscht. Im Folgejahr konnten wir das Aktionsgebiet um Berlin, Brandenburg und Schleswig-Holstein erweitern, an diesen Erfolg anknüpfen und die Modernisierung von knapp 7.500 Heizungen anregen. Über die gesamte Lebenszeit sparen alle bisher getauschten Anlagen etwa 720.000 Tonnen CO2 ein. Das entspricht dem CO2-Ausstoß von ca. 26.000 Mittelklassewagen. Aber auch über die Tauschbilanz hinaus ziehen alle Beteiligten ein positives Fazit. Denn die Aktion hat nicht nur zur regionalen Wertschöpfung beigetragen, sondern allein im vergangenen Jahr auch mehr als 85 Millionen Kontakte generiert, für das Thema Wärmewende sensibilisiert und gezeigt, dass Klimaschutz im eigenen Zuhause beginnt. Deshalb starten wir in diesem Jahr – erstmals mit Unterstützung von Bremen und Niedersachsen - bereits in die dritte Runde der Raustauschwochen. Denn nur gemeinsam können wir das Klimaschutzpotenzial im Gebäudesektor heben.

Diesen Artikel kommentieren

Diese Themen könnten Sie auch interessieren