2020 war ein außergewöhnliches Jahr, die Politik stand jedoch nicht still. Was waren die wichtigsten Ereignisse für die Gasindustrie auf EU-Ebene in diesem Jahr?

In der Tat war 2020 ein Jahr mit großen Herausforderungen und bedeutenden Chancen. Jedes Stück EU-Gesetzgebung wird jetzt aus dem Blickwinkel sozialer Verträglichkeit und wirtschaftlichen Aufschwungs betrachtet - Energiepolitik bildet da keine Ausnahme. Zwei in diesem Sommer verabschiedete EU-Strategien - die Energiesystemintegrations- und die Wasserstoffstrategie - bestätigten, dass die EU gasförmige Moleküle braucht, um Silos im Energiesystem aufzubrechen und Klimaneutralität auf die kosteneffizienteste Weise zu erreichen. 
Die Bedeutung gasförmiger Energieträger spiegelt sich auch in der EU-Strategie für Methanemissionen und dem Klimazielplan 2030 wider, die in diesem Herbst veröffentlicht wurden. Dies sind Chancen für Gas - herkömmlich, erneuerbar und dekarbonisiert -, um seine wichtige Rolle bei der Erreichung der Klimaziele auf die wirtschaftlich und ökologisch nachhaltigste Weise hervorzuheben.
 

Und wenn wir nach vorne schauen - was werden die Topthemen im Jahr 2021 in Brüssel sein, die wir nicht verpassen sollten?

2021 wird ein entscheidendes Jahr für die Gestaltung der EU-Energiepolitik und des zukünftigen EU-Gasmarktes sein. Viele Initiativen werden auf der Tagesordnung stehen: Die neuen Gasmarktregeln werden voraussichtlich im 4. Quartal auf den Weg gebracht, mit einem starken Fokus auf die Dekarbonisierung der Gasnetze. Die Erneuerbare-Energien-Richtlinie und die Energieeffizienz-Richtlinie werden sich auch mit der Umsetzung der Energiesystemintegration und der Wasserstoffstrategie befassen. Die EU-Methanstrategie wird im nächsten Jahr ebenfalls in ein Gesetz überführt. Dies wird eine große Chance für den Gassektor sein, sein Engagement für das Erreichen der Klimaziele zu demonstrieren.
Wir glauben, dass zukunftssichere Lösungen - die Herstellung von Wasserstoff aus Erdgas und die Abscheidung des Kohlenstoffs sowie die Förderung des Einsatzes von Wasserstoff aus erneuerbarem Strom - nicht nur zur Dekarbonisierung beitragen.Sie verschaffen Europa darüber hinaus auch eine führende Position bei der Herstellung sauberer Technologien und schaffen wichtige Arbeitsplätze für Europäer. Wir möchten, dass die EU-Institutionen diese Tatsache in der kommenden Gesetzgebung anerkennen.
 

Setzen die EU-Mitgliedsstaaten in großem Stil auf die Dekarbonisierung von Erdgas, um Klimaneutralität zu erreichen, oder sehen wir diesen Trend nur in wenigen Ländern, wie den Niederlanden und Deutschland?

Viele Mitgliedsstaaten erkennen das Potenzial aller Arten von Gasen im zukünftigen Energiemix: Erdgas, Biogas, Biomethan und Wasserstoff. Frankreich und Dänemark sind zum Beispiel führend bei der Produktion von Biogas und Biomethan. Im Osten erwägen Länder wie Rumänien die Nutzung von landwirtschaftlichen Abfällen, die dem Gassystem beigemischt werden können und den Gaskunden einen noch saubereren Brennstoff liefern.

Viele EU-Länder haben erkannt, dass Wasserstoff ein Teil des zukünftigen Energiemixes sein wird. Es gibt Projekte in Frankreich, den Niederlanden, Deutschland, Belgien, Spanien, Portugal und Finnland, um nur einige zu nennen.
Das bedeutet, dass sich Gas im Wandel befindet, aber sein Potenzial erkannt und als wesentlicher Bestandteil für das Erreichen der Klimaneutralität in Europa bis 2050 angesehen wird. 

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