Frau Posch, welche Bedeutung kommt ERDGAS im derzeitigen und künftigen Energiesystem zu?

Kurzfristig können wir durch einen Tausch der Energieträger schon viel erreichen, um die gesetzten Klimaschutzziele nicht noch weiter zu verfehlen. Das heißt konkret: Weg von Kohle und Öl, hin zu Erdgas. Und das ist kein Widerspruch, denn Erdgas wird künftig grünes Gas, also erneuerbar und klimaneutral sein. Zudem kann die Energiewende mit einem technologieoffenen Ansatz bei dem neben Erdgas zunehmend grünes Gas zum Einsatz kommt deutlich kostengünstiger realisiert werden. Dies wiederum wird auch die gesellschaftliche Akzeptanz erhöhen.

Inwiefern kann die Gasinfrastruktur zum Erfolg der Energiewende beitragen?

Das möchte ich kurz an einem Beispiel verdeutlichen: Die aktuellen Speichermöglichkeiten in Deutschland im Gasbereich reichen aus, um alle Gasverbraucher über drei Monate hinweg zu versorgen. Anders sieht es beim Strom aus. Mit den zur Verfügung stehenden Stromspeichern kann die Versorgung für lediglich 41 Minuten aufrechterhalten werden und das obwohl signifikant weniger Energie im Stromsystem im Vergleich zum Gassystem verbraucht wird. Diese Zahlen sprechen für sich. Meines Erachtens ist es daher nur logisch, den Ansatz zu verfolgen, einen Großteil des erneuerbaren Stroms mittels der Power-to-Gas Technologie in grünes Gas umzuwandeln. Durch Nutzung dieser bereits existierenden langfristigen Speichermöglichkeit leistet die Gasinfrastruktur einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit, die auch bei dem Großprojekt Energiewende an oberster Stelle steht. 

Stichwort Power-to-Gas: Was muss von Seiten der Politik passieren, damit die Technologie ihre Stärken vollends ausspielen kann?

Aufgabe der Politik ist es, jetzt gesetzliche Rahmenbedingungen zu schaffen, damit diese Technologie Fuß fassen kann. PtG-Anlagen müssen als wesentlicher infrastruktureller Bestandteil eines gemeinsamen Energiesystems verstanden werden. Es sind die Schnittstellen zwischen Strom- und Gasnetzen. Daher sind wir als Fernleitungsnetzbetreiber auch bereit, diese Technologie großtechnisch zu entwickeln und einen Hochlauf dieser Technologie im regulierten Bereich umzusetzen. Gleichzeitig brauchen wir jedoch auch Zielgrößen für grüne Gase, um eine belastbare Basis für eine bedarfsgerechte Infrastrukturplanung zu haben. Eine erfolgreiche Energiewende kann nur dann gelingen, wenn die Sektoren Strom, Wärme, Verkehr und Industrie eng miteinander verknüpft werden und das aus volkswirtschaftlicher Sicht sinnvolle Weise. 

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