Herr Schweppe, welche Bedeutung hat das Erdgas-Geschäft für die Unternehmensentwicklung der Uniper Energy Sales GmbH?

Dank unseres breit diversifizierten Erdgas-Bezugsportfolios liefern wir einen elementaren Beitrag zur sicheren und kosteneffizienten Versorgung mit Erdgas in Europa. In Deutschland verfügen wir mit circa 25 Prozent Marktanteil über das größte Gasportfolio – wir sind also sehr gut aufgestellt. Der Wettbewerb gewinnt erfreulicherweise weiter an Fahrt und wir beobachten viele interessante Entwicklungen, die uns anspornen, neue attraktive Produkte für die Kunden zu entwickeln und unsere Stellung als Nummer 1 in der Gasvermarktung erfolgreich zu verteidigen.

So erfordert unter anderem die Digitalisierung ein Umdenken in den Unternehmen – und bietet gleichzeitig großes Potenzial, denn: Der Online-Einkauf gewinnt auch im Gasgeschäft an Bedeutung. Aktuell nutzen bereits ein Drittel unserer Kunden digitale Portale für die Strom- und Gasbeschaffung. Zuzüglich der Beschaffung per E-Mail sind es sogar über 60 Prozent – Tendenz steigend. Daher arbeiten wir konstant daran, unsere digitalen Services auszubauen und die Prozesse für Kunden zu vereinfachen. Gleichzeitig bieten wir ihnen jedoch jederzeit den persönlichen Kontakt an.

Erst kürzlich hat Uniper in Irsching den Zuschlag zum Bau eines Sicherungskraftwerks erhalten. Wie beurteilen Sie die Rolle von Erdgas als Partner der erneuerbaren Energien?

Unserem neuen Kraftwerk kommt eine besondere Rolle zu, es soll ab dem 1. Oktober 2022 in besonderen Notsituationen als „Sicherheitspuffer“ in der Stromversorgung bereitstehen. Als sogenanntes „besonderes netztechnisches Betriebsmittel“ wird es nicht dem Markt zur Verfügung gestellt, sondern kurzfristig einspringen, wenn die Systemsicherheit gefährdet ist. Auf diese Weise will der Gesetzgeber auch zukünftig die Zuverlässigkeit des Stromversorgungssystems gewährleisten. Dass die Wahl dabei auf Gas als Brennstoff fällt, ist richtig, denn mit seinen klimafreundlichen Eigenschaften ist Erdgas der perfekte Partner für Erneuerbare auf dem Weg in die Energiezukunft.

Wir werden noch viele Jahre auf einen fossilen Energieträger angewiesen sein, um den Energiebedarf sicher und preiswert decken zu können, denn noch schaffen es die Erneuerbaren nicht allein. Dabei wird Erdgas mehr und mehr durch „grünes“ Gas aus Power-to-Gas-Anlagen - also durch „grünen“ Wasserstoff oder synthetisches Methan - ergänzt und perspektivisch ersetzt werden. Es wird damit selbst erneuerbar und schafft so die Möglichkeit, erneuerbaren Strom für andere Bereiche der Wirtschaft nutzbar zu machen. „Sektorenkopplung“ ist hier das Stichwort.

Wie wird sich der Gashandel im Jahr 2019 entwickeln? Zeichnen sich bereits Trends ab, die besonders großen Einfluss haben werden?

Die Bedeutung von Gas als Energieträger wird 2019 und darüber hinaus weiter zunehmen – unter anderem durch den Kohleausstieg. Dadurch verloren gegangene Erzeugungskapazität lässt sich durch Gaskraftwerke auffangen. Aufgrund der hervorragend ausgebauten europäischen Gasinfrastruktur, zusätzlicher Transportkapazitäten und neuer LNG-Importterminals in Frankreich, Polen und demnächst vielleicht auch in Deutschland sind sowohl die Versorgungssicherheit als auch die Effizienz der europäischen Märkte langfristig gesichert. Zudem steht Gas weltweit ausreichend zur Verfügung, sodass absehbar nicht mit hohen Preisausschlägen zu rechnen ist.

Um die Emissionen noch weiter zu senken, müssen bestehende Gaskraftwerke besser ausgelastet werden. Aktuell werden die Kapazitäten deutscher Gaskraftwerke nur zu durchschnittlich 38 Prozent ausgelastet. Gaskraftwerke ohne Wärmeauskopplung (KWK) sind derzeit noch nicht wirtschaftlich. Unser Beispiel Scholven zeigt, wie es trotzdem gelingen kann – in Partnerschaft mit der Industrie vor Ort und unter Nutzung staatlicher Förderung (KWK): Im Herzen des Ruhrgebiets wird eine erdgasbefeuerte Energieerzeugungsanlage die Steinkohle langfristig ablösen und zum einen unsere Industriekunden im Umkreis direkt mit Dampf und Gas versorgen und zum anderen die Belieferung mit Fernwärme für die umliegenden Haushalte sicherstellen. Damit trägt Uniper zu einem gelungenen Strukturwandel des traditionsreichen Standorts bei. Diese Transformation reduziert nicht nur die Schadstoffemissionen deutlich, sondern ermöglicht auch die Ansiedlung neuer Industrie. Und das ist nur ein Beispiel für die immense Bedeutung von Gas in der künftigen Bereitstellung von Energie für unsere Gesellschaft. Uniper wird sich weiter dafür einsetzen, dass die Geschichte von Gas auch in der Energiezukunft eine Erfolgsgeschichte bleibt.

 

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