Die Stadtwerke Kiel haben ein altes Kohlekraftwerk stillgelegt und durch ein hochmodernes Gasmotorenkraftwerk ersetzt. Warum haben Sie sich hierbei für die Motorentechnologie entschieden?

Bei der Erarbeitung einer Nachfolgelösung für das auslaufende Kohlekraftwerk stand die Sicherung der Fernwärmeversorgung in Kiel an erster Stelle. Dabei ging es uns neben der Zuverlässigkeit und Wirtschaftlichkeit auch darum, Wärme und Strom so ökologisch wie möglich zu produzieren. Mit unserem Küstenkraftwerk haben wir dies geschafft. Dabei bilden 20 Gasmotoren das Herz der Anlage. Jeder Motor kann separat  hochgefahren werden. In weniger als fünf Minuten sind sie auf 100 Prozent Leistung. Das Kohlekraftwerk benötigte hierfür vier Stunden. Durch die modulare Bauweise erhält unser Küstenkraftwerk eine hohe Flexibilität. So wird die Leistungsabgabe der einzelnen Motoren nach dem aktuellen Energiebedarf ausgerichtet.

Was sind die wichtigsten Kennzahlen des Kraftwerks und was macht es europaweit so besonders?

Das komplexe Erzeugungskonzept – eine Kombination aus Gasmotoren, Wärmespeicher und Elektrodenkessel – ist europaweit einzigartig. Es ermöglicht uns, auf die verschiedenen Szenarien des Energiemarktes zu reagieren. Durch die umweltschonenden Eigenschaften des Energieträgers Erdgas emittieren wir rund 70 Prozent weniger Kohlendioxid als das einstige Kohlekraftwerk. Die 20 Gasmotoren haben eine elektrische Leistung von 190 Megawatt und eine Wärmeleistung von 192 Megawatt. Im 60 Meter hohen Wärmespeicher können mehr als 1.500 Megawattstunden Wärme in 30.000 Kubikmetern Wasser gespeichert werden. Und unser 35-Megawatt-Elektrodenkessel erzeugt aus Strom heißes Wasser für die Wärmeversorgung.

Das Küstenkraftwerk ist vor sechs Monaten in Betrieb gegangen. Wie fällt Ihre Bilanz bis heute aus?

Nach rund sechs Monaten Betrieb können wir selbstbewusst sagen, dass wir den entscheidenden Schritt in die Zukunft der Kieler Energieversorgung erfolgreich vollzogen haben. Das Erzeugungskonzept funktioniert. Mit dem Kraftwerk sind wir in der Lage, die fluktuierende Leistung der Erneuerbaren auszugleichen und die Versorgungssicherheit unserer Kunden durch das Kraftwerk jederzeit sicherzustellen.

Diesen Artikel kommentieren

Diese Themen könnten Sie auch interessieren