Frau Hennig, welche Rolle spielt Wasserstoff in der Unternehmensstrategie der Thüga?

Zwölf Unternehmen der Thüga-Gruppe hatten bereits im Jahr 2013 die erste Power-to-Gas Anlage gemeinsam errichtet und in Frankfurt reinen Wasserstoff ins Gasverteilnetz eingespeist. Das hat technisch prima funktioniert – jetzt bedarf es nur noch zielgerichteter Rahmenbedingungen durch die Politik. Daran sieht man, wie früh wir uns schon mit dem Thema beschäftigt haben. Die zukünftige Nutzung der Gasverteilnetze in der Thüga-Gruppe mit Gemischen aus Erdgas, Wasserstoff und Biomethan wird von vielen unserer Partnerunternehmen mit Projekten sehr aktiv vorangetrieben – auch im Rahmen der Reallabore der Energiewende des Bundeswirtschaftsministeriums. Zudem engagieren wir uns intensiv in der Verbandsarbeit in Berlin, Bonn und Brüssel, um für zukunftsorientierte Rahmenbedingungen bei der Politik zu werben.

Im Positionspapier „Erneuerbares Gas für die Wärme- und Verkehrswende“ spricht sich die Thüga u. a. für einen höheren Anteil von Wasserstoff in der Gasinfrastruktur aus. Wie kann die bestehende Infrastruktur auf H2 umgerüstet werden?

Das deutsche Regelwerk erlaubt bereits heute einen Anteil von 9,999 % Wasserstoff in den Gasnetzen. Zudem arbeitet der DVGW derzeit mit seinen Mitgliedsunternehmen in den Gremien daran, das Regelwerk auch für höhere Gemische und sogar reinen Wasserstoff fit zu machen. An anderer Stelle leiten verschiedene Unternehmen der Thüga-Gruppe gemeinsam mit E.ON hierzu ein großes Projekt, in dem viele Verteilnetzbetreiber am Thema “Hydrogen ready” für Netzmaterialien arbeiten. Wir wollen damit die Möglichkeit haben, ab einem bestimmten Zeitpunkt nur noch Netzmaterialien einzukaufen und zu verbauen, die schon für einen Betrieb mit 100% Wasserstoff tauglich sind.

Was erhoffen Sie sich von der Wasserstoffstrategie, welche die Bundesregierung bis zum Jahresende vorlegen möchte?

Leider hat es die Bundesregierung nicht mehr geschafft, die Wasserstoffstrategie bis Ende 2019 zu veröffentlichen, obgleich die Zeit durchaus drängt. Aber vielleicht hat das auch sein Gutes und die Bundesregierung beschränkt sich in ihrer Strategie nicht nur auf den Einsatz von Wasserstoff in der Industrie, sondern setzt auch auf den Wasserstoffeinsatz im Wärmesektor. Die sehr ambitionierten Ziele des europäischen Green Deals führen ja gerade dazu, dass die CO2-Einsparziele für den non ETS Bereich – also den Wärme- und Verkehrssektor - stark ansteigen werden. Damit müssen die Heizungssysteme in Deutschland noch viel stärker bis 2030 dekarbonisiert werden als dies bislang vorgesehen war. Das wird nur gelingen, wenn wir explizit im Wärmesektor verstärkt erneuerbare und dekarbonisierte Gase nutzen. Nachdem Deutschland ab dem 1. Juli 2020 die EU-Ratspräsidentschaft übernimmt, erhoffen wir uns starke Impulse für das europäische Gaspaket im Green Deal. Hierzu gehören u.a. auch ein klares und ambitioniertes Ziel für die erneuerbaren und dekarbonisierten Gase sowie ausreichende Fördermechanismen wie beispielsweise eine verpflichtende Beimischquote für ebendiese Gase.

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