Stichwort Strommarkt: Neben Klimaschutz wird auch der Aspekt der Versorgungssicherheit zunehmend relevant. Was haben Sie in der Studie „Diskussion zukünftiger Herausforderungen von Versorgungssicherheit im Strommarkt 2.0“ untersucht?

In der Studie diskutieren wir die Herausforderungen, die dem deutschen Energy-Only-Markt durch den Rückgang der konventionellen Erzeugung – etwa dem Kohleausstieg – und dem gleichzeitigen Ausbau dargebotsabhängiger erneuerbarer Energien bevorstehen. Wir ordnen diese Herausforderungen auch in die ökonomische Literatur ein. Es stellt sich die Frage, ob das aktuelle Strommarktdesign das heutige Niveau an Versorgungssicherheit künftig noch garantieren kann. Aufbauend darauf diskutieren wir verschiedene Mechanismen, die den Energy-Only-Markt in der Praxis unterstützen können, um langfristig Versorgungssicherheit zu gewährleisten.

Während „kalter Dunkelflaute“ und zu Spitzenlastzeiten muss regelbare Energie als Backup der Erneuerbaren die Versorgungssicherheit gewährleisten können. Welche Herausforderungen kommen diesbezüglich in dieser Dekade auf den deutschen Strommarkt zu?

Eine wesentliche Herausforderung der nächsten Dekade wird die Frage sein, wie Investitionen in regelbare Leistung sichergestellt werden können. Der angestrebte, weitere Ausbau dargebotsabhängiger erneuerbarer Energien wird einhergehen mit einem steigenden Bedarf an zusätzlicher regelbarer Leistung. Nur so kann Versorgungssicherheit gewährleistet werden, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht. Gleichzeitig wird aber im Rahmen des Kernenergie- und des Kohleausstiegs regelbare Leistung aus dem Markt genommen. Neben einer stärkeren Integration des EU-Binnenmarktes, der Flexibilisierung der Nachfrage und dem Ausbau von Speichertechnologien sind insbesondere auch flexible Gaskraftwerke eine Möglichkeit, regelbare Leistung bereitzustellen. Die Frage ist allerdings, wer im Rahmen eines Energy-Only-Marktes in Kraftwerkstechnologien investiert, denen nur wenige Stunden im Jahr zur Verfügung stehen, um ihre Investitionskosten einzuspielen.

Welche Maßnahmen könnten das aktuelle Strommarktdesign in Deutschland sinnvoll ergänzen?

Es gibt zahlreiche Optionen, das aktuelle Strommarktdesign zu ergänzen. Neben weiteren flankierenden Einzelmaßnahmen zur Stärkung des Energy-Only-Marktes sind speziell auch solche Maßnahmen zu betrachten, die explizit darauf abzielen, marktgetriebene Anreize für ausreichend Kapazität zu setzen. Bereits vor etwa zehn Jahren wurde über Kapazitätsmechanismen diskutiert, das mündete dann in der Einführung der Kapazitätsreserve. Die Rahmenbedingungen haben sich allerdings durch verstärkte Bemühungen um den Klimaschutz – Stichwort Kohleausstieg oder Klimaschutzprogramm 2030 - inzwischen geändert. Deshalb muss das deutsche Strommarktdesign erneut auf den Prüfstand. Für eine umfassende Beurteilung sind allerdings weitergehende Untersuchungen notwendig.

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