Herr Dr. Holtmeier, gemeinsam mit dem Energiedienstleister E.DIS plant die GASAG ein Power-to-Gas-Projekt vor den Toren Berlins. Was hat Sie zu diesem Schritt bewogen?

Leider müssen Wind- oder Solaranlagen aus Gründen der Netzstabilität noch zu häufig abgeregelt werden. Um den Anteil erneuerbarer Energien im deutschen Energiemix weiter steigern zu können, benötigen wir Speichermöglichkeiten. Und hier kommt die Power-to-Gas (P2G)-Technologie ins Spiel. Bei P2G wird regenerativ erzeugter Strom durch Elektrolyse in Wasserstoff umgewandelt. Dieser grüne Wasserstoff kann gespeichert und über das vorhandene Gasnetz bis zum Verbraucher weitergeleitet werden. So lassen sich verschiedene Sektoren wie Wärme oder Verkehr miteinander verknüpfen.

GASAG hat als Produzent von Biogas das Know how und als Verteilnetzbetreiber die Infrastruktur Power-to-Gas weiterzuentwickeln. Zusammen mit E.DIS machen wir das brandenburgische Ketzin bei Potsdam zu einem Ort der Energiewende.

Warum haben Sie sich für den Standort Ketzin im brandenburgischen Havelland entschieden?

Der Standort ist für dieses Vorhaben hervorragend geeignet, weil neben dem Winderzeugungsgebiet Nauener Platte mit rund 300 Windkraftanlagen auch die Infrastruktur direkt vor Ort vorhanden ist, die von E.DIS, GASAG und weiteren Projektpartnern betrieben wird.

Was muss passieren, damit Power-to-Gas im großen Maßstab zur Anwendung kommen kann?

Unter den aktuellen gesetzlichen Vorgaben ist die Erzeugung von Wasserstoff per Elektrolyse leider nicht wettbewerbsfähig. Bei voller Netzentgeltpflicht beispielsweise wird wohl niemand im großen Maßstab investieren. Klar ist, dass für dieses grüne Gas – wie am Anfang jeder neuen Technologie – ein Markt entwickelt werden muss, damit sektorübergreifend die Dekarbonisierung vorangetrieben werden kann.

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