Herr Dr. Alsheimer, welche Rolle spielt Erdgas für die Unternehmensentwicklung der Mainova AG?

Die Versorgung unserer Kunden mit Erdgas war schon immer eine tragende Säule unseres Geschäftsmodells. Auch mit Blick auf die Zukunft setzen wir als kommunales Energieversorgungsunternehmen auf Gas. Wir sehen in Gas und der Gasinfrastruktur wichtige Bausteine für die Energiewende. Mit Erdgas lassen sich schon heute im Strom-, Wärme- und Verkehrssektor substantielle CO2-Einsparungen erzielen. Außerdem gehen wir davon aus, dass das bestehende Gasversorgungssystem in Verbindung mit der Power-to-Gas-Technologie als Langzeitspeicher für die erneuerbaren Energien dienen und damit eine Schlüsselrolle in der künftigen Energiewelt einnehmen wird.

Im Jahr 2022 werden die letzten Atomkraftwerke vom Netz gehen. Auch die Braunkohle-Verstromung wird mittelfristig eingestellt werden. Inwiefern können Gaskraftwerke die drohende Kapazitätslücke schließen und zur Versorgungssicherheit beitragen?

Der zunehmende Anteil der Erneuerbaren an der Stromerzeugung erfordert eine wachsende Zahl von schnell regelbaren Gaskraftwerken, die immer dann einspringen, wenn der Wind gerade nicht weht und die Sonne nicht scheint. Unter den herrschenden Bedingungen unterbleibt aber der Neubau solcher flexiblen, hocheffizienten Anlagen. Wir sollten uns deshalb Gedanken machen, wie wir die notwendige Vorhaltung ausreichender emissionsarmer konventioneller Kraftwerkskapazitäten auf volkswirtschaftlich effiziente Weise mittel- bis langfristig sicherstellen können. Ich plädiere dafür, zusätzlich zum Energy-Only-Markt einen dezentralen Leistungsmarkt einzuführen. Diese Idee ist nicht neu, aber sie ist immer noch aktuell. Gesicherte Leistung muss sich wieder lohnen.

Gegenüber dem Basisjahr 1990 haben sich die CO2-Emissionen der Stromerzeugung in Deutschland um lediglich 20 Prozent reduziert. Welche Maßnahmen müssen jetzt ergriffen werden, um den CO2-Ausstoß des Stromsektors schnellstmöglich zu senken?

Die CO2-Reduktion im Elektrizitätssektor ist in den zurückliegenden Jahren nicht wie erhofft vorangekommen. Dieses enttäuschende Resultat ist vor allem der Tatsache geschuldet, dass der energiewirtschaftliche Ordnungsrahmen in der Vergangenheit mangelhaft ausgestaltet wurde. Mit einem Ausstiegsfahrplan für die Braunkohleverstromung kann diese Fehlentwicklung korrigiert werden. Aktuell sind Braunkohlekraftwerke für über 50 Prozent der CO2-Emissionen des deutschen Stromsektors verantwortlich, obwohl sie nur 23 Prozent des Stroms erzeugen. Mit einer stärkeren Nutzung der aktuell verfügbaren, aber nur spärlich eingesetzten 29 GW Gaskraftwerksleistung anstelle der emissionsintensiven Braunkohlekapazitäten ließen sich schon jetzt – aus dem Stand heraus – substantielle CO2-Einsparungen realisieren. Ohne einen Ausstieg aus der Braunkohle werden wir die Treibhausgasemissionen des Stromsektors nicht entscheidend verringern können.

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