Hat Ihr Appell für eine Wasserstoffwirtschafts-Strategie mittlerweile etwas bewegt?

Mein Eindruck ist ganz klar positiv. Der Appell wurde in der Fachwelt von Expertinnen und Experten für das Thema Wasserstoff und von Menschen, die sich in der Praxis täglich mit ökonomischen und technischen Fragen der Energiewende und der Sektorkopplung beschäftigen, gehört. Fast noch entscheidender ist aber, dass über die Fachwelt hinaus die Aufmerksamkeit für die enormen Chancen des Wasserstoffs gestiegen ist. Das Thema Wasserstoff ist mittlerweile nicht mehr nur ein Diskurs der Fachleute, sondern spielt auch mehr und mehr in der öffentlichen Berichterstattung in großen Medien, bei politischen Debatten, in den Verkehrsunternehmen und auch bei jungen Menschen eine Rolle.

Warum wird Wasserstoff Ihrer Meinung nach die Energiewende zum Erfolg führen?

Weil im Wasserstoff das Potenzial steckt, die Energiewende ökologisch, wirtschaftlich erfolgreich und sozial gerecht zu machen. Wasserstoff löst das Speicherproblem, weil Strom aus Sonnen- und Windenergie durch Elektrolyse in Wasserstoff umgewandelt, gespeichert sowie problemlos transportiert werden kann. Umweltfreundlicher Wasserstoff kann dann in den Sektoren Wärme und Verkehr eingesetzt werden. Für die Wasserstoffökonomie wird ein Absatzmarkt von 5 bis 17 Gigawatt jährlich und ein Jahresumsatz von 6 bis 20 Milliarden Euro prognostiziert. Für Industrie, Betrieb und Service bedeutet dies ein Arbeitsplatzpotenzial von 100.000 Stellen.

Was kann die Politik tun, um Unternehmen, die in Wasserstoffforschung und -projekte investieren, Planungssicherheit zu geben?

Bundespolitisch müssen wir zu einer Strategie kommen, die verbindliche CO2-Einsparziele für die Sektoren Strom, Verkehr und Wärme definiert. Insbesondere der Verkehr muss umweltfreundlicher werden. Darum habe ich einen Parlamentskreis „Sektorkopplung“ initiiert. Eine CO2-Bepreisung würde Investitionen in emissionsfreien Wasserstoff und Elektrolyseanlagen auch betriebswirtschaftlich harte Kostenvorteile gegenüber alten Technologien verschaffen. Und auch in den Ländern und Kommunen können kluge Maßnahmen eingeleitet werden: Der Ausbau von Wasserstofftankstellen, die Umstellung der öffentlichen Busflotten im Nahverkehr auf Brennstoffzellenbusse und Regularien für emissionsfreie Taxis sind Beispiele für konkretes Handeln vor Ort, um Nachfrage nach Wasserstoff sowie nach Infrastruktur und innovativen Fahrzeugen zu generieren.



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