Die europäische Stahlindustrie steht unter wachsendem öffentlichen, wirtschaftlichen und regulatorischen Druck, bis 2050 im Einklang mit den EU-Zielen kohlenstoffneutral zu werden. Ist der Sektor doch für rund vier Prozent der gesamten CO2-Emissionen der EU verantwortlich. Wasserstoff könnte hier die Lösung sein. Das bedeutet einen radikalen Technologiewandel, daher forschen große Produzenten wie Arcelor-Mittal, Thyssen-Krupp oder Tata seit Jahren an verschiedenen Möglichkeiten, fossile Brennstoffe gegen Wasserstoff auszutauschen.

Einer, der auch entschlossen vorprescht, ist der österreichische Stahl- und Technologiekonzern Voestalpine. Das Unternehmen arbeitet bereits mit Hochdruck an technischen Szenarien, um die Dekarbonisierung der Stahlproduktion voranzutreiben. In einem nächsten signifikanten Zwischenschritt könnten durch einen teilweisen Ersatz der bestehenden Hochofenroute durch eine Hybrid-Elektrostahlroute ab 2030 die CO2-Emissionen um ein Drittel reduziert werden. Parallel forscht der Konzern intensiv an sogenannten „Breakthrough-Technologien“ für die Stahlproduktion, um langfristig Kohle als Energieträger durch CO2-neutralen Wasserstoff zu ersetzen. 

Im vergangenen Jahr startete Voestalpine in Linz den Betrieb der aktuell weltgrößten Anlage zur CO2-freien Herstellung von Wasserstoff. Kernstück des Pilotprojekts „H2Future“ ist eine PEM-Elektrolyseanlage mit sechs Megawatt Anschlussleistung. Mit dem EU-geförderten Projekt wird die industrielle Produktion von grünem Wasserstoff, der langfristig fossile Energieträger in der Stahlproduktion ablösen soll, erforscht. Auch in der HBI-Anlage der Voestalpine im texanischen Corpus Christi wird Wasserstoff, der im Reformerprozess aus Erdgas gewonnen wird, bereits als Reduktionsmittel eingesetzt. Grundvoraussetzung für die Dekarbonisierung der Stahlproduktion – sowohl für die Umsetzung einer Hybridtechnologie unter Einsatz von Elektrolichtbogenöfen als auch für eine langfristige Technologietransformation auf Basis von grünem Wasserstoff – ist jedoch, dass Strom aus erneuerbarer Energie in ausreichender Menge und zu wirtschaftlich darstellbaren Preisen zur Verfügung steht. Nur so werden die zukünftigen Technologien auch tatsächlich wettbewerbsfähig betrieben werden können.

Wie sieht es in den anderen Sektoren aus?


Diesen Artikel kommentieren